Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 129 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Ueber Entwicklungsethik. 129 Das Atom ist das kleinste Teilchen der körperlichen Welt* Aus verschiedenartigen Atomen setzen sich die Molekel zusammen. So entstehen zahllose chemische Substanzen. Aus ihnen bilden sich komplizierte biologische Verbindungen, diese wieder stellen die Grundlage für die lebende Zelle dar. Die Zellen schliessen sich ihrerseits zu Zellkomplexen, zu vielzelligen Pflanzen und Tieren zusammen. Und auf ihnen erhebt sieb der soziale Verband, der unter den Menschen zu besonderer Vollkommenheit entwickelt ist; der Einzelmensch in der Gesellschaft hat den Rang der sozialen Zelle im staatlichen Organismus. So erscheint die Natur als eine Stufenfolge von Organisationen, von denen die höhere immer aus der niederen entsteht. Alle gleichwertigen Komponenten der Stufenfolge stehen nun untereinander in irgendwelchen Beziehungen. Diese Be- Ziehungen komplizieren sich und werden immer weniger übersichtlich und berechenbar, je höher die Organiäationsstufen sind. Die Atome stehen untereinander in einfachen, die Zellen in zahlreichen und die Menschen schon in ganz mannigfachen Be- Ziehungen Die Ursachen dieser Beziehungen sind uns unbekannt; man nennt sie Kräfte. 'Diese Kräfte sind aber auf den verschiedenen Stufen nicht die gleichen, sondern variieren und komplizieren sich ebenfalls von unten nach oben. Ob solche Kräfte aber überhaupt existieren, ist von Seiten der Erfahrung nicht festgestellt. Sie sind jedenfalls ein Supplement unserer -Gedanken, wie Lotze sagt. Was von den Beziehungen der einzelnen Komponenten sichtbar wird, sind die Wirkungen. Auch diese werden, wenn wir in der Stufenleiter aufsteigen, immer zahlreicher. Sie erst sind es, die sich vergleichen lassen. Das Wasserstoffatom zeigt eine grosse Affinität zum Fluoratom. Die roten Blutkörperchen beladen sich mit Sauerstoff und Kohlendioxyd und stehen damit im Dienste des Gesamtorganismus. So wird es denn auch Hertwig selbstverständlich, dass sich auch der Mensch mit seinen sittlichen Handlungen und geistigen Schöpfungen in das System der Natur harmonisch einfügt. Er wird damit Gegenstand der Naturforschung wie jede3 andere Naturobjekt.