Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 128 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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128 Ueber EDtwicklungsethik. müssen; denn vermöge seines Selbsterhaltungstriebes wählt der Men3ch stets das Nützliche. 2. Wie ist es zu erklären, dass die gesamte Menschheit sich hätte betrügen lassen und dieser Priesterethik huMtgte? Schliesslich aber: die Entwicklung der menschlichen Kultur auf Basis der alten Ethik ist der beste Beweis für deren Zweckmässigkeit. Ich glaube vielmehr, dass die gegenwärtige Ethik bei den Menschen eine Prädisposition ündet. und dass sie dem moralischen Keim des Individuums entspricht. Denn die alten Sittenlehren hätten im Volke niemals Fuss fassen können, wenn die Menschen ihnen nicht willig Ohr geliehen hätten. Diese Prädisposition soll vielleicht für das jüdische Volk in dem Rufe כל אשר דבר ד.; נעשה (Exod. 19, 8), — nach Raschi und Mechiltha auch in נעשה ונשמע (Exod. 247 י) — angedeutet sein, mit dem es die göttliche Offenbarung zu empfangen sich bereit erklärte. ׳Die biologische Ethik. ' Ganz andere Wege, als wir sie bei der Widerlegung der darwinistischen Ethik gegangen sind, schlägt Hertwig in seinem zitierten Buche ein. Wir können sie nicht billigen. Denn Hertwig prüft nicht etwa vom Standpunkt der Darwinisten die Folgerichtigkeit der Selektionsethik — er stellt sich wohl auf den Boden der Naturwissenschaften — aber auf den seiner eigenen biologischen Lehre — und baut auf ihrem Fundamente seine eigene Entwicklungsethik auf. Von seinem Standpunkte hat er gewiss recht: Wert gegen Wert, Lehre gegen Lehre Aber der kritische Zuschauer sieht immer nur sein לבנות ולגמוע, das vierfache Niederreissen der darwinistischen Anschauung fehlt uns. Der Berlioer Anatom zählt sich nicht zu den Darwinianern, für welche die Ethik nur angewandte Naturwissenschaft ist, und die daher dem Sittenideal Kampf bis aufs Messer angesagt haben — er gehört auch nicht zur Gruppe Huxleys, die die Ethik als Produkt des Geistes nicht den Gesetzen der Materie unterordnen wollen, sondern die Unabhängigkeit der Ethik pro״ klamieren — bei Hertwig bildet die unorganisch-organische Natur und die Welt des Geiste3 eine grosse Einheit.