Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 127 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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lieber Entwickiungsetbik. 127 zurückzuführea. Erst dann könnte, rückschreitend, der Versuch gemacht werden darzustellen, wie die gegenwärtige Ethik aus früheren Zuständen entstanden sei; wie etwa ursprünglich mehrere ethische Vorstellungen vorhanden waren, die sich dann im Kampfe miteinander um gestaltet haben, bis schliesslich wenige• lebenstüchtige Lehren sich daraus entwickelt haben. Noch weiter rückgehend könnten sogar die Anfänge der Ethik schon in niedere Stufen des Tierreiches zurückverlegfc werden. Erst wenn diese explikative Aufgabe auf ethischem Gebiete erfolgreich durchgeführt wäre, hätte der ethische Darwinismus die Berechtigung auch normativ zu sein, d. 11. die gefundenen Gesetze der Entwicklung als Normen für den Weiterbau unserer Ethik aufzustellen. Eine Bestätigung meiner Gedanken gibt W. Wunät 5), wenn er, auf dein Standpunkte einer Eatwieklungs- (wenn auch nicht Selektions-)Ethik stehend, schreibt: *Die Ethik hat nicht Normen zu geben, sondern die tatsächlich geltenden Normen des sittlichen Lebens auf ihren Inhalt■ und Ursprung zu prüfen. ... In Anbetracht eben dieser Tatsache, dass alles Sittliche Erzeugnis einer Entwicklung ist, wird sich nun aber doch zugleich die Ethik in ihrem Versuch, einen Ausdruck für die geltenden sittlichen Normen zu finden, nicht auf den gegenwärtig gegebenen Zustand des sittlichen Lebens beschränken dürfen; sie ist . . . nicht minder der Zukunft zugewandt.״ Auch mit diesem Schema decken sich die Ansichten der darwinisiischen Ethiker nicht. Sie sollten an die jetzt hestehende Ethik anknüpfen oder ihre Entwicklung auf natürlichem Wege erklären — statt dessen tun sie sie mit der Behauptung ab, dass vor Jahrtausenden durch Priestertrug diese Ethik einer sklavischen Menschheit aufgezwungen worden sei. Sie wäre also gerade unnatürlich! Dabei werden aber drei Momente vergessen: 1. dass die Ethik, wenn wirklich dem ursprünglichen Menschengeiste widersprechend, sich allmählich hätte abschieifen b) Wundt, Ethik 2. Band. Stuttgart 1908. ״Die allgemeine Stellang des Normbegriffs in der Ethik.“