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Jeschurun · 1921-03-01 · Heft 3-4 (März 1921) · p. Seite 124

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 3-4 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 124 (sequence 38)
Language
German
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r 124 Ueber Eutwicklungsethik. Prinzip4). Nach ihnen muss die geltende Moral bedingungslos fallen. Statt dessen muss das Recht des Starken gegenüber־ dem Schwachen gelten. Denn die Auslese ist das einzige sichere Mittel zur Hebung der Gattung. Vorschriften des sittlichen Handelns gibt es nicht, nur solche der Zweckmässigkeit. Diese darwinistische Ethik ist von Friedrich Nietzsche ausgebaut worden. Er lehrt die Umwertung aller Werte. Das Ziel der Menschheit liegt in ihren höchsten Exemplaren. Darum muss die Masse der Menschheit, die Vielzuvielen, die schlecht und niedrig sind, geopfert werden. Gleichheit und Brüderlichkeit ist Sklavenmoral. Aus den wenigen Starken, die übrig bleiben, werde eine neue stärkere Spezies Mensch gezüchtet. Gut kann deshalb nur sein, was aus der Stärke stammt; schlecht aber, was vod der Schwäche kommt. Praktisch gesprochen: Krieg, bazilläre Krank״ beiten, Kindersterblichkeit werden verherrlicht; sie vernichten die Schwachen und schaffen dem Starken freie Bahn. Sozial ergeben sich aus diesen Prinzipien neue Aufgaben: Regulierung der Ehe von Staats wegen, Unfruchtbarmachung der Minderwertigem Einschränkung der Wohlfahrtemrichtungen, Umgestaltung des aus der sozialen Gemeinschaft entwickelten Rechts. Dadurch dass diese Ethik zum Egoismus führt, richtet sie sich hinsichtlich ihrer Zweckmässigkeit von selbst. So ist nur noch ihre naturwissenschaftliche Berechtigung zu untersuchen. Soll diese Kritik objektiv sein, so muss vom Standpunkt de3 biologischen Darwinismus gezeigt werden, wie sich eine Entwicklungsethik folgerichtig auf der Selektionstheorie aufbauen darf und kann. Diesem Konstruktionsgebilde, das als Massstab dienen soll, sind alsdann die Postulate des ethischen Darwinismus, wie er wirklich ist, gegenüber zu stellen, wobei sich dessen Mängel von selbst abheben werden. Auf der Grundlage der Selektionsbypothese, die nunmehr als gegeben angenommen sei, kann sich die Entwicklungsethik m. E. nach zwei Richtungen hin ausbilden, die ich mit den *) Vergl. Aufsätze von HaeckeL Wailace. Steiner. Tille. Huxley in Hardens ״Zukunft״, Jahrgg. 1892—95.

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