Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 123 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Ueber Entwicklungsethik. 128 die * Grundlage unserer sozialen Gemeinschaft. Ebenso ist es moralische Pflicht, die Gefahren ab zu wenden, die dem Gesunden an Leben, Gesundheit, Besitztum, sittlicher Reinheit und Daseins- Zufriedenheit Einbusse bringen könnten. Die jüdisch-christliche Ethik stellt also eine altruistische Wohlfahrtsmoral dar mit dem Ziel: ein möglichst grosses Glück einer möglichst grossen Zahl. Vom darwinistischen Standpunkte aus muss solches Mitleid mit den Kranken und Schwachen verworfen wrerden, denn diese bilden nur den Baliast der Menschheit. Sie kommen für den Konkurrenzkampf als Sieger nicht in Frage, d. h. sie sind nicht geeignet zur Erzeugung einer gesunäenNachkommenschaft, sondern setzen nur eine schwache, kranke Nachkommenschaft in die Welt und sind daher die Quelle neuen Elends und üebels. Deshalb bedeutet jeder Versuch, ihnen zu helfen oder sie zu heilen, nur eine Herabdrückung des Gesamtwohles der Menschheit, eine Rassen Verschlechterung und ist als kontraselektorisch zu verwerfen. Während die jüdisch-christliche Ethik möglichst viele zum Ueberleben tüchtig machen will, dürfen nach dem Darwinismus nur die Tüchtigsten überleben. Während hier als Prüfstein der Tüchtigkeit der Kampf ums Dasein gilt, wird dort die Auflassung des Lebens als eines Kampftlieaters streng zurückgewiesen. Von diesem Widerspruch zwischen Darwinismus und bestehender Ethik sucht sich der englische Biologe Huxley dadurch zu befreien, dass er einen natürlichen Gegensatz beider konstruiert: Nur im Reiche der Natur sind die Naturmächte, also der Darwinismus, Herrscher. Für die menschliche Gesellschaft aber, die freilich auch ein Teil der Natur ist kommt noch die Ethik *hinzu, deren Existenzberechtigung und Ziel Huxley gerade in der Beschränkung des Naturwaltens erblickt, ln der Ethik sind gerade gewisse Natur machte ausser Kraft gesetzt; an ihre Stelle tritt etwas anderes, was man das Walten ethischer Mächte nennen kann. Aber abgesehen von Huxley huldigt die Darwinsche Schule in starrer Konsequenz der Selektionstheorie als oberstem sittlichen