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Jeschurun · 1921-03-01 · Heft 3-4 (März 1921) · p. Seite 122

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 3-4 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 122 (sequence 36)
Language
German
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122 Ueber Entwicklungsethik. sich auch mit der darwinistischen Ethik beschäftigt hat3). Er lehnt sie ab. Aber er stellt dabei seine eigene ethische Theorie auf, die zwar antiselektorisch aber ebenfalls Entwicklungsethik ist. Seine Theorie ist fast noch gefährlicher. Es soll daher erstmalig der Versuch gemacht werden, auch die biologische Ethik Hertwigs zu prüfen. Die Selektionsethik. Die Fragen nach der Naturentstehung und dem Ursprung der Ethik stehen in einem engen Zusammenhang. Denn wer die Entstehung der Welt auf einen oder mehrere Schöpferakte eines einzigen Gottes zurückführt, kann nicht umhin, der Menschheit ein geistiges Ziel zu setzen, die Ethik, die, wie Gott selber, durch die Zeiten dieselbe bleibt. Wenn aber die Welt und was sie füllt aus sich heraus sich entwickelt hat, ohne dass ein Gott ״von aussen an das Weltall stiesse״, dann kann es auch keine über der Entwicklung stehende, also göttliche und un~ veränderliche Ethik geben. Sie wird vielmehr Menschenprodukt und daher wandelbar sein. Diese enge Beziehung zwischen Naturentstehung und Sitten״ lehre war wohl die Hauptursache, dass der Darwinismus in das Gebiet der Ethik und Moral seine Schatten warf. Bisher war hier die jüdisch-christliche Ethik massgebend gewesen mit ihrer Grundnorm: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst. Das heisst: die ethische Pflicht des Individuums ist grösser als sein ethischer Bechtsanspruch. Diese erstreckt sich daher ganz besonders auf die in irgend einer Weise nicht vollwertigen Mitglieder der menschlichen Gesellschaft. Sie sind für das Leben zu ertüchtigen und ihre Leiden zu beseitigen oder wenigstens zu mildern. Denn in jedem Menschen soll der Mensch geachtet werden, da er nun einmal das Ebenbild Gottes ist. Eine Fülle von ethischen Vorschriften oder sozialen Bestimmungen des Alten und Neuen Testamentes sowie der rabbinischen und kirchlichen Literatur suchen dieses Ziel in die Wirklichkeit umzusetzen und bilden 5j Zur Abwehr des ethischen, des sozialen, des politischen Darwiuisnvus. Jena 1918.

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