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Jeschurun · 1921-03-01 · Heft 3-4 (März 1921) · p. Seite 121

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 3-4 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 121 (sequence 35)
Language
German
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Ueber Entwicklungsethik. 121 Ueber Entwicklungsethik. Von Arnold Merzbach, Berlin. Vorwort. Der kritische Beobachter stellt fest; das ethische Denken in der Gegenwart ist durchseucht von unverstandenen Schlagwörtern und Gedankenbruchstücken aus dem Gebiete der Wissenschaft, die sich mit der Frage nach dem Werden der Organismen heschäftigt. Begriffe wie Entwicklung, Auslese, Kampf ums Dasein, Ueberleben des Tüchtigen werden von einer leichtsinnigen Presse und Literatur immer wieder als ethische Motive und Grundsätze individuellen und sozialen Handelns in pseudo-wissenschaftlicher Form oder in romanhafter Aufmachung der kenntnislosen Masse eingegeben. Es muss die Frage geprüft werden: bat die auf dem Darwinismus aulgebaute Ethik ihre Berechtigung? Diese Frage setzt aber die Kenntnis von Darwins Selektions ־ Hypothese (fälschlich Deszendenz-Theorie genannt) und deren Widerlegung yoraus. Darüber handelt mein Aufsatz: ״Prinzipielles über Entwicklung und Zuchtwahl״ U. Nur die biologischen Grundbegriffe der Selektions-Hypothese seien hier mitgeteilt: Die Individuen einer Gattung unterscheiden sich durch ihre Eigenschaften (Variabilität), Diese sind auf ihre Nachkommen vererbbar. Die allzugrosse Zahl der Lebewesen und die ungünstigen Lebensumstände bedingen einen Kampf ums Dasein: die mit den passenden Eigenschaften ausgerüsteten Individuen überdauern ihn, während die übrigen zu Grunde gehen!!Selektion). Durch Wiederholung dieser Vorgänge, Summierung dergleichen Eigenschaften und deren Vererbung entsteht schliesslich eine neue Tiergattung (Deszendenz). Die Theorie gilt heute als überwunden; sie ist zuletzt widerlegt von Oscar Hertwig* 2), der נ) Jüdisch-Akademische Blätter .,Unser Weg״, Heft 8. herausgegeben vom Bund jüdischer Akademiker Berlin. 2) Das Werden der Organismen. Jena 1916. 8

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