Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 120 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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120 Das Ideal der Heiligkeit usw. Richter sein darf über das Lebensberechtigte und Lebensfähige an den Religionen. Freilich: zu neuschöpferischer Darstellung des Numinosen ist es im modernen Judentum, das ja kein kulturelles Eigendasein führt, kaum gekommen, höchstens ab und zu zur Weg*־ räumung von unästhetischen Missständen, die die Auswirkung geschichtlich überlieferter numinoser Einrichtungen beeinträchtigen mochten; Versuche religiöser Neuschöpfung würden von den Rationalisten nicht verstanden und von den grundsätzlichen Anhungern des Alten kaum minder scharf bekämpft werden. So bleibt denn wenigstens dem westeuropäischen Judentum nur die Aufgabe der Erkenntnis des Numinosen1) und der Abwehr der aus seiner Verkennung entstandenen Strömungen. Inzwischen sind aber in Palästina Voraussetzungen für ein neues jüdisches Kulturzentrum geschaffen worden. Hoffen wir, dass das dort neu erblühende Judentum zwar die Kultur freudig bejahen, sich aber vor einseitig rationalistischer Auffassung bewahren möge; dann wird es mit Gottes Hilfe möglich sein, das Ideal des Heiligen in seiner eigenartigen Verschmelzung sittlicher und numinoser Eiemente in neuen Lebensformen zur Darstellung zu bringen. — x) ״Das Heilige in der Bibel״ bedarf nach Gesichtspunkten Ottos* der nochmaligen Erörterung. Aus der reichen Literatur, deren Aufzählung nahezu das einzige Verdienst der beiden mehrerwähnten Arbeiten von B u n z e 1 ist, ragen Baudissin, Studien zur semitischen Religionsgeschichte II 1 ff., und Kittel, Prot. Realenzykl. VII 566 ff. hervor. Ihre Diskussion darüber, ob die ״negative“ Seite des Begriffes (also abgesondert) oder die ״positive* (־= Gott■ zugehörig) die primäre sei, verliert ihre Schärfe durch Ottos Nachweis, dass beides zum Wesen des Begriffes gehört und von religiösen Naturen empfunden wird. Nur die ״negative Seite* erinnert etwas an den Begriff des tabu. dessen Unter-: schied von קדוש Blau. Jeschurun, Bd. II 364 ff. behandelt. Die Neuunter־ suchung müsste auch auf den Versuch der protestantischen Gelehrten eingehen, eine Entwicklungslinie des Begriffs der Heiligkeit zu zeichnen. Abgesehen von der durch Ottos Feststellungen erforderlich gewordenen■ Revision der Werturteile, mit denen diese Reihe durchsetzt scheint, scheitert der Versuch an der nicht zu bemäntelnden Tatsache, dass im Buch Jesaja, nach den Kritikern einer ״Bibliothek* aus verschiedenen Jahrhunderten, der Begriff durchwog wesentlich in gleicher W7eise aufgefasst wird, während bei Jeremia und Ezechiel (Baudissin 80 ff.!) andere Seiten hervortreten.