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Jeschurun · 1921-03-01 · Heft 3-4 (März 1921) · p. Seite 119

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 3-4 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 119 (sequence 33)
Language
German
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Das Ideal der Heiligkeit usw. 119 auf welchem nach biblisch-talmudischer Anschauung auch die Heiden volle Verpflichtungen haben, an Auserwählung also nicht gedacht wird. So schlägt das grosse Wort ״Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich, der Ewige, euer Gott״ gleichsam die Brücke zwischen Glaubens- und Pflichtenlehre; es zeigt, dass religiöser Glaube unmittelbar zur Anwendung auf das Leben drängt. Es ist wohl die grösste Lücke in Ottos schönem Buch, dass er dies Bibelwort nie zitiert, wiewohl es ihm nicht nur das Judentum, sondern auch manche Erscheinungen in seiner eigenen Konfession, im Katholizismus und den asiatischen Religionen hätte erklären können. Für Otto ist die höchste Leistung der Religion die ״Divination“, die innere Erfassung des Göttlichen als des Heiligen. Dem Judentum (und nicht ihm allein) gilt nicht Erfassung des Heiligen, sondern H e i 1 i g - werdung als letztes, vorschwebendes Ziel. Solcher Heiligwerdung des Menschen dienen die religiösen Einrichtungen — nicht zum mindesten mit demjenigen, was sich dem nüchternen Forschen verschliesst und einen kaum durchsichtigen Schleier über das Leben wirft. Aber freilich: eingewoben in jenen Schleier sind die Sonnenstrahlen der Sittlichkeit und Reinheit. Während das hellenistische Judentum das biblische Ideal der Heiligung aus den Augen verlor, hat es das rabbinische lebenskräftig ausgewrertet. Im Anschluss an die drei Begriffe קידוש השם, קידוש השבת, קדוש במצוות Ii8s3en sich gerade diejenigen Seiten des überlieferten Judentums darstellen, die eine Zeit lang unter dem Einfluss rationalistischer Betrachtungsweise etwas in den Hintergrund gedrängt worden, ja, durch die vom Rationalismus beherrschte Reformbewegung in ihrer Existenz bedroht worden waren. Der Widerstand gegen die Rationalisierung gewinnt also durch unsere zunächst geschichtlich interessierte Betrachtung ainen neuen Sinn. Was ihm Kraft gab, waren nicht bloss Motive des dienenden Gehorsams, die sich allenthalben im Leben der Religionen konservierend entfaltet haben, sondern das mehr oder minder deutliche Gefühl, dass der letzte Sinn der Religion dem Rationalismus unzugänglich ist und er nicht der

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