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Jeschurun · 1921-03-01 · Heft 3-4 (März 1921) · p. Seite 118

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 3-4 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 118 (sequence 32)
Language
German
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118 Das Ideal der Heiligkeit usw. Gesamtcharakter der Tage; wie ich höre, hat Otto selbst den Gedanken an das Numinose zum erstenmale beim Besuch einer kleinen nordafrikanischen Synagoge am Versöbmmgstage fassen lernen. Indem sich aber die Heiligkeit des Tages tief iES Herz der Gemeinde einsenkt, wird ihre Frucht — die Heiligung des Menschen. Und diese Anwendung des Begriffes קדוש ist wohl die bedeutungsvollste. In dem stolzen Bekenntnis, אשר קדשנו במצוותיו, das so oft in unseren Gebeten wiederkehrt, liegt unzweifelhaft der Gedanke an Offenbarung und Erwählung, an die Emporhebung Israels in ein geweihtes Sonderdasein. In diesem Sinn ist die Heiligung Tatsache: Gott hat uns geheiligt durch seine Gebote. Wenn aber andererseits im Gebet für Sabbat und Festtage die Bitte wiederkehrt, dass ״Gott uns durch seine Gebote heiligen wr01ie und unser Herz reinige, ihm in Wahrheit zu dienen“, so zeigt schon der Zusammenhang, wie wenig sich der Begriff der Heiligung in blosser Herausbehung erschöpft. Vielmehr gehört das Begriffspaar Heiligkeit und Reinheit, wie an dieser Stelle, so durchweg da zusammen, wo von einer Heiligung des Menschen die Rede ist; der Kontrastbegriff von קדושה im angegebenen Sinn ist nicht חול, sondern .טמאה, also der Gegenbegriff der Reinheit. Nur von hier aus erklärt es sich, dass die biblische Mahnung ״heilig sollt ihr sein“ (Lv. 19,2) von der talmudiscben Exegese ganz besonders .auf die geschlechtliche Sittlichkeit bezogen wird1), ein Gebiet, J) In diesem Sinn ist es auch z. B. gemeint, wenn es von Gott heisst, er heilige Israel durch (die Gesetze überj Eheschliessung und Ehebegründung מקדש עסו ישיאל על ידי הפה וקדושין. Dagegen bedeutet der Ausdruck Kidduschin selbst für den Ehebegründungsakt, der in rabbiaischer Zeit gern statt der Derivate des biblischen א רש gewählt wird, zunächst weiter nichts als die Heraushebung der Frau aus der allgemeinen Sphäre in ein durch religiöse ־׳Gebote geweihtes Sonderdasein; insofern trifft also die taircudische Erklärung אסורה אב״ע בהקדש (Eidd. 2 b) zu. Allerdings aber ist die^e Eeraushebung eine geweihte, die der Mensch durch Wort und symbolische Tat nicht schafft sondern nur gleichsam auf einen bestimmten Fall überträgt; damit treten die Worte האיש מקדש in Parallele zu der bekannten Wendung מקדש ישראל ורזמבים, die voraussetzt, dass Israel ״die Feste (durch Bestimmung der Neumonde] heiligt“, indem es die gottgebotene Heiligung auf bestimmte Tage überträgt. dDarin liegt der Unterschied zwischen Kidduschin und der Aneignung eines Gegenstandes (oder Sklaven), den Tossaphoth z. St. betonen.

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