Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 112 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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112 Das Ideal der Heiligkeit usw. Neben dieser Ausdehnung der Bezeichnung קדיש stehen nun aber zwei bedeutungsvolle Neubildungen, die dem Juden so vertraut sind, dass es ihn überraschen wird, sie in der Bibel noch nicht zu finden. Wir meinen קדיש und 1קדשה). Beide Begriffe sind eng verwandt, wie ja auch unser Kiddusch (beim Eingang der Feiertage) nicht ganz selten Keäuseha genannt wird2); im Allgemeinen werden wir das Maskulinum eher durch ,Heiligkeit, Ehre4־, das Femininum eher durch ,Heiligung. Ehrung44 wiedergeben. Beide Worte werden von Gott, von heiligen Dingen und Einrichtungen oder von Menschen gebraucht, ,Gottes Heiligung44 oder ״Heiligung des göttlichen Namens“ ist etwa gleichbedeutend mit seiner Ehrung. Das erweisen die Parallelbegrifie: ״Erhoben und geheiligt werde sein erhabener Name“, beginnt das Kaddisch (nach Ez. 38, 23); ״wir ,wollen Dir in Ehrfurcht huldigen und Dich heiligen“ lautet der Eingang derKeduscha; daher bedeutet der Gegenbegriff des Chillul Haschern Entweihung, Entehrung des göttlichen Namens. Sind doch bereits in der Bibel die geläufig; Rabbi Akiba lehrt am Ende der Mischna Joma, anscheinend in Polemik gegen den Paulinismus: ״Heil euch, Israel: Vor wem reinigt ihr euch und wer spricht euch rein? Euer Vater im Himmel.״ Die vorletzte Bitte des Kaddisch lautet: ״Mögen die Gebete und das Flehen ganz Israels erhört werden vor ihrem Vater im Himmel״. Ebenso wenig wie solche Stellen, die sich leicht vermehren Hessen, scheint Otto (nach S. 182) die sehr verbreitete Bezeichnung Gottes als des Allbarmherzigen (רחמנא ,הרחמן) bekannt zu sein. So entstellt er denn sein schönes Büchlein durch eine (glücklicherweise kleine) Anzahl von Bemerkungen gegen den Rabbinismus, die wissenschaftlich unbegründet sind und bei einem Mann von seinem erfreulichen Freimut und der Tiefe seines religiösen Sinnes doppelt peinlich berühren. x) So ist in punktierter Schrift am besten zu schreiben, in der wir kurzen Vokalen meist keine mater lectionis zu geben pflegen. Und natürlich ist nach Formen wie (Bauer-Leander I 467, 469) zu vokalisieren: nSjÖJB-Fonnen sind nur als Femininbildungen von ס6ממ0?־פ*,יול nachweisbar (ebd. 478). 2) Levy, talm. Wörterb. IV 255; El bogen, Der jüd. Gottesdienst 107.