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Jeschurun · 1921-03-01 · Heft 3-4 (März 1921) · p. Seite 108

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 3-4 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 108 (sequence 22)
Language
German
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108 Das Ideal der Heiligkeit usw. Philon von Alexandrien ־war eine durchaus religiöse Persönlichkeit. Nicht nur die ethischen Züge der Religion finden in diesem Propheten stoischer ״Philanthropie״ Widerhall, sondern fast noch stärker die numinosen. Er‘ steht Y0r Gott wie vor einer unerschöpflichen Tiefe: der Wahn, Gott erkennen zu können, gilt ihm als höchste Verblendung; demütig sich neigend vor der unendlichen Grösse des Unerforschlichen, erwartet er Heil und Erleuchtung von seiner Gnadenerlösung. Von hier aus nimmt Philon Stellung zu den religiösen Strömungen seiner Zeit: den Staatskult der Griechen oder gar der Aegypter .lehnt er verächtlich ah; an der Mystik tadelt er zwar Geheimnistuerei und Entartungen; aber von ihren religiösen Tendenzen und namentlich deren philosophischer Formulierung in dem System des jungstoischen Philosophen Poseidonios ist er mächtiger er־׳ griffen als irgend einer geistigen Macht seines Kulturkreises — einschliesslich der Bibel. Denn so erstaunlich es klingt: diesem tief religiösen Menschen haben die Mahnungen der Bibel zur Heiligkeit nicht das Geringste bedeutet. Verständnislos geht er an ihnen vorüber. Von der Heiligkeit Gottes ist an zahlreichen Stellen der Bibel die Rede; dem Buch Jesaja ist die ständig, wiederkehrende Bezeichnung Gottes als des ,.Heiligen Israels“, wie Luzatto einmal sagt, als Siegel aufgeprägt. Nicht eine einzige dieser Steilen führt Philon an; das dreimal heilig der Engel trifft sein Ohr nicht — weil er ja überhaupt die Bücher der Propheten kaum kennt; nur die Thora weiss er anscheinend im wesentlichen auswendig, in der griechischen Uebersetzung natürlich, aus dem Besuch des Gottesdienstes. Aber auch deren Ruf zur Heiligkeit berührt ihn nicht. Dreifach kehrt in ihr die Mahnung wieder, ,,heilig zu sein, wie der Ewige heilig ist“, oder »weil Gott uns heiligt1״); keine dieser Steilen finden wir bei Philon. Nur eine in unseren Zusammenhang gehörige Stelle erwähnt er, Ex. 19, 6:,.Ihr sollt mir ein Reich von Priestern, ein heiliges Volk sein“; er führt sie einmal an, ohne auf die Schlussworte erläuternd einzugehen, ein 1j Lev. 11,44; 19,2; 20,26; ferner LXX 20, 7.

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