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Jeschurun · 1921-03-01 · Heft 3-4 (März 1921) · p. Seite 106

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 3-4 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 106 (sequence 20)
Language
German
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108 Das Ideal der Heiligkeit usw. tum erfüllt, dessen Erscheinung demütigt durch ihre Grösse und doch emporzieht in erlösender Liebe, findet ihren unuberbietbaren Ausdruck in dem dreimaligen Heilig, das dem Seher aus dem Munde himmlischer Flammenchöre entgegentönt1). — Nachdem uns nunmehr der Begriff des Heiligen in seiner Beziehung zum Sittlichen deutlich geworden ist, versuchen wir zu ermitteln, ־wie das hellenistische und das rabbinische Judentum ihn auszuwerten verstanden hat. — II. Der Begriff der Heiligkeit im hellenistischen Judentum. Die Juden Alexandriens haben die Bibel nicht im hebräischem Original, sondern nur in griechischer Uebersetzung gelesen. Auch Philon, unser Hauptzeuge für das hellenistische Judentum, hat kein Hebräisch verstanden. Welche Einbusse ihm daraus für sein religiöses Bewusstsein erwuchs, zeigt unser Beispiel mit erneuter Deutlichkeit. Denn es gibt im Griechischen kein Wort, welches dem hebräischen קדוש in seinem für die Religion wichtigen Vollklange entspräche. Zwar für äussere Beziehung zur Gottheit hat das Griechische selbstverständlich einen Ausdruck (hieros), der uns aus der Zusammensetzung Hierarchie geläufig ist. Aber er konnte den Uebersetzern der Bibel zur Wiedergabe von קדיש nicht genügen, nicht etwa wegen irgend einer abergläubigen Scheu (nichts hindert sie, statt כהן hierens zu setzen), sondern wreil sie richtig empfanden, dass der griechischen Wurzel (wenigstens im späteren Gebrauch) jeder numinose Klang abgeht. Sie griffen daher za dem weit seiteueren Worte hayios2), das wir aus der Uebersetzung von כתבי ג) Wir haben uns bei der Entwicklung des Begriffes durchweg an das deutsche Wort heilig gehalten. Denn dessen Sprachgebrauch ist natürlich durch die Lutherbibel bestimmt, diese ihrerseits durch den des hebräischen קרוש. Immerhin mag darauf hingewiesen werden, dass dem deutschen Begriffe, der übrigens erst unter dem Einfluss des Christentums in die deutsche Sprache eingeführt wurde, ein gewisser Gedanke an das jenseitige Heil innewohnt, der dem hebräischen fernliegt. 2j Es ist eine die Regel bestätigende Ausnahme, wenn Iso0 Ez. 27,6 und 28,18 von heidnischen Heiligtümer gebraucht wird

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