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Jeschurun · 1921-03-01 · Heft 3-4 (März 1921) · p. Seite 105

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 3-4 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 105 (sequence 19)
Language
German
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Das Ideal der Heiligkeit usw. 105 sakrosankt zugleich ist. Das Auszeichnende der Religion Alt- Israels ist eben das innige Zusammentreten dieser beiden Momente. Kein Gott ist wie Israels Gott. Denn er ist der Heilige schlechthin. Aber andererseits auch: kein Gesetz ist wie sein Gesetz: denn es ist nicht bloss gut, sondern gleichfalls heilig״ (S. 121 f.). Durch jene Verschmelzung des Numinosen und des Sittliehen zum wahrhaft Heiligen ist unsere Bibel die Grundlage jeder echten Religiosität geworden. Als sprachliches Material dient ihr die alt-semitische Wurzel קדש, die ursprünglich nur ein rein äusseres Verhältnis zur Gottheit bezeichnete1); die Begriffe הדש und קדשד zeigen, wie wenig eine solche Beziehung mit Sittlichkeit gemein zu haben braucht. Aber jene rudimentären Bildungen stehen schon in biblischer (und, wie sich zeigen wird, vollends in späterer) Zeit durchaus ausserhalb des sonstigen Sprachgebrauchs. Zwar gebraucht auch die Bibel Ab- Leitungen unserer Wurzel, wie הקדיש und מקדש, nicht selten von nur äusserer Weihe an die Gottheit. Indem sie aber Gott als den Heiligen anerkennt, der ״sich selbst heiligt durch Billigkeil“ (Jes. 5,IG), dessen heiligen Berg daher nur betreten kann, wer reiner Hand und reinen Herzens ist (Ps. 15 und 24), gewinnt die Wurzel קדש ihren eigenen Sinn als Gefäss des höchsten religiösen Ideals; als solches dient sie dem Propheten: die Ehrfurcht vor dem Unsichtbaren, der mit seinem Saum das Heiligreeller und imaginärer Zahlen. Wir halten das Bild für die VeransehauJiehung der Mischung rationaler und irrationaler Bestandteile im Religiösen für sehr glücklich uud werden es zur Erläuterung des Rituellen nochmals verwerten. 1'j Der Sprachgebrauch des Assyrischen. Arabischen, Phönizischen und Syrischen (Bunzei. Begriff der Heiligkeit im A. T. 22 ff.; Qds und seine Derivate 38 ff., 48 ff.) beweist jedenfalls, dass irgendwelcher ethischer Sinn von Haus aus fernliegt. Ob die Wurzel ursprünglich abgesondert bedeutet, muss aber dahingestellt bleiben, da sich im Assyrischen (Bunzei, Heiligkeit 24) qudduschu von körperlicher und kultischer Reinheit findet: vielleicht ist also die Grundbedeutung rein. Wie fern aber auch dem Assyrischen sittliche Reinheitsideale liegen, zeigt das häufige Vorkommen von qadischtu im Sinne von קדשה.

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