Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 104 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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104 Das Ideal der Heiligkeit usw. Wissenschaft und Moral in die Religion hineinströmt. In diesem ״Dionysischen* der Religion liegt ihre Verwandtschaft mit der Kunst, liegt der Grund dafür, dass es eine religiöse Kunst überhaupt geben kann, während eine *moralische Kunst“ philiströser Unsinn wäre. Während sich aber die Religion für die Darstellung ihres Stimmungsgehalts schon auf sehr frühen Stufen der Kunst hat bedienen können und müssen, tritt sie erst im Lauf des kulturellen Aufstieges allmählich auch mit der Wissen־־ Schaft und Sittlichkeit zur Darstellung ihrer Inhalte und Ziele in Beziehung; es kommt einerseits zur Theologie, andererseits zur religiösen Ethik. Und vor allem die letztere Verbindüng ist von eigenartiger Innigkeit und Fruchtbarkeit gewesen. Schon die Tatsache, dass man die Ideale beider hat verwechseln können, zeigt, wie nahe sie sich berühren, wie innig sie sich haben durchdringen können. Erst seit der Verstoss gegen das Sittengesetz zugleich als, Ungehorsam gegen Gottes Willen empfunden wurde, *wird die blosse Ungesetzlichkeit zur Sünde, wird sie *ruchlos״ und *Frevel“. Und erst indem sie so für das Gemüt zur Sünde geworden ist, gewinnt sie jenes furchtbare Schwergewicht für das Gewissen, das ihm zur Katastrophe und zum Verzagen an der eignen Kraft wird. Was Sünde ist, versteht der natürliche Mensch, auch der nur sittliche Mensch nicht“ (S. 60, 1). *Die antiken Klassiker waren sich des Zorns, der Trunkenheit und anderer Laster bewusst, bekämpften und besiegten sie, aber sie waren sich nicht der Feindschaft gegen Gott bewusst1).“ (S. 60,1). Dagegen *zieht auf dem Boden der höheren Religionen das Numinose die Ideen gesellschaftlicher wie individueller Ideale des Verbindlichen, Rechtlichen und Guten an sich. Diese werden zum Willen des Numen, es selber zu ihrem Wächter, Ordner und Stifter. Das Heilige wird gut und das Gute wird eben dadurch heilig, bis sich dann eine nicht mehr lösliche Synthese beider Momente ergibt und nun sich der vollere, komplexe2) Sinn von heilig ergibt, wo es gut und 0 Wenigstens nicht wegen sittlicher Verstosse; und so meint es Otto.?) Als komplexe Grössen bezeichnet die Mathematik Summen