Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 98 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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98 Die Erwählung Israels. (Jalkut Num. 766). Ja ,die Herrlichkeit Gottes weilt in Israel auch dann, wenn sie sich verunreinigt haben (Sifre zu Num. 5, 3), der Ausspruch in Ez. 20; 32 wird noch verschärft, Israel kann sich seiner Aufgabe■; das Gottesvolk zu sein, nicht entziehen, selbst wenn es auf den Lohn verzichten wollte, daher der Zusatz אני ה אלדיכם ich bleibe der Ewige, euer Gott! Die Annahme der Erwählung wurzelt so fest im jüdischen Bewusstsein, dass man sie mit Recht als ein wrenn auch nicht formuliertes Dogma bezeichnen kann1). In dem täglichen Segensspruch über die Thora, im Festgebet, im Kiddusch ist es zum Bestandteil der Liturgie geworden mit fast der gleichen Geltung wie unser שמע ישראל. Es ist freilich ebenso bekannt, dass die andere Seite, das Verhältnis Gottes zu seiner gesamten erschaffenen Welt, die Liebe auch zu den anderen Völkern, nicht ausser Acht gelassen würde. Gott trauert um ihr Leid, duldet nicht, dass als die Aegypter im Meer versinken, ein Loblied angestimmt wird. Die Israeliten sind ebenso Götzendiener wie die Aegypter. Nicht weil ihr ein grösseres Volk seid, hat Gott euch erwählt und nicht weil ihr die Gebote mehr erfüllt. Die anderen Völker üben die Gebote, die ihnen nicht gegeben wurden mehr als ihr, sie verherrlichen Meinen Namen mehr als ihr, wie es heisst: Von Sonnenaufgang bis zu ihrem Niedergang galt mein Name als gross unter den Völkern“. (Tanchuma לעקב). In dieser Gegenüberstellung tritt schon zu Tage, dass die Schwierigkeiten des Problems der Erwählung empfinden werden. Mehr noch in den mannigfachen Erörterungen darüber, warum Gott von ״den siebenzig Nationen“ gerade Israel die Thora’ gegeben. Und die bekannte grosse Auseinandersetzung im Anfang des Traktats Aboda Sara schliesst zunächst zu Gunsten der Völker ab in ihrer Frage: .כלום כפית עלינו הר כגיגית ולא קבלנוד. Auch Israel kam zur Erwählung nur unter einem Zwange, den der göttliche Heilsplan anwenden zu müssen glaubte. Warum ward dieser Zwang nicht auch auf die anderen Völker ausgedehnt? _ (Fortsetzung folgt). J. W. 1) Schechter, Elecfcion of Israel in Some Aspects of Rabbinic Theology S. ö7. Daselbst auch Weiss 3 דו״ד. BOI und Kaufmann Jewisii Qu. R. 2442 ר dafür zitiert.