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Jeschurun · 1921-03-01 · Heft 3-4 (März 1921) · p. Seite 97

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 3-4 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 97 (sequence 11)
Language
German
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Die Erwählung Israels. 97 Die Zustände waren andere geworden als zur Zeit der politischen Selbständigkeit des jüdischen Staates. Während die Propheten bei weitem mehr mahnen und zürnen und die schwersten Strafen androhen als Trostworte künden, um den Machthabern und Reichen das Gewissen zu schärfen und das Volk noch im letzten Augenblick vor dem Untergang zu retten, hatten die Führer der Generationen nach der Zerstörung des Tempels den Schmerz zu lindern, die Hoffnung aufzurichten, zu trösten, weil das Gottesvolk — jetzt galt das noch mehr als früher — ״aus der Hand Gottes das doppelte für alle seine Sünden empfangen hatte״. Darum in den Midraschim in allen möglichen Schriftdeutungen und Gleichnissen das Lob des erwählten Volkes, seiner aussergewohnlichen Vorzüge, seines einzigartigen Verhältnisses zu seinem Gott. Sie werden von Gott Schwester, Geliebte, Mütterchen genannt, sie sind Prinzenkinder,, stehen höher als die Engel. Wer nur eine Stelle des Hohenliedes, das als eine ununterbrochene Hymne auf das Liebesband, mit dem Gott und sein Volk verknüpft ist, gilt, als Tadel deutet, greift fehl. Der leise Anthropomorphismus, der in den Propheten- und Psalmenworteu Gott als Vater Israels bezeichnet, wird ins Ungewöhnliche gesteigert. Gott leuchtet seinem Volke als Muster voran, in seinen Liebestaten, in Befolgung der Israel gegebenen Satzungen, Er leidet mit ihm in seiner Not. Ja, Israel ist zur JErwählung schon vor der Schöpfung prädestiniert. Es wird ראשית genannt (Jer. 2, 3), und im Hinblick auf das Erste und Vorzüglichste hat Gott die Welt geschaffen. ״Gedenke deiner ^Gemeinde, die du in־ der Vorzeit dir zugeeignet “ (Ps. 74, 2) der Gedanke an Israel ging aller Schöpfung voraus. Ein König wollte ein Gebäude errichten. Aber auf der Suche nach einem geeigneten Boden stiess er überall auf sumpfiges Gelände, bis er einen Felsen fand und sprach: Auf diesem Felsen will ich bauen. Da Gott vor der Schöpfung die zukünftigen Geschlechter an seinem Auge vorüber ziehen liess, da schreckte er von seinem Beginnen zurück: Wie kann ich die Welt ins Leben rufen, wenn dann die Frevler erstehen und sie in Unruhe bringen. Als er aber Abraham erspähte, da sprach er: Jetzt habe ich einen Felsen gefunden, auf dem ist gut bauen.

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