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Jeschurun · 1921-03-01 · Heft 3-4 (März 1921) · p. Seite 95

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 3-4 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 95 (sequence 9)
Language
German
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Lie Erwählung Israels. 95 halten verknüpfe ist; Das aussergewöhnliche Leiden Israels ist daher nicht als ein Zeichen besonderer Verruchtheit anzusehen, sondenr*nur als ein Mittel, das dem Volke die Möglichkeit gibt, die Schäden sofort abzustellen. Wie bei den Krankheiten des menschlichen Organismus ist der Schmerz hier ein Warnungs- Signal. Israel ist aber innerhalb der Völkerfamiiie nicht mit einem beliebigen Organ zu vergleichen, das man sich auch ausser Funktion gesetzt denken kann. Es ist das Herz unter den Nationen. Uns würde heute nun auch die Ausführung dieses Vergleiches in dem Sinne naheliegen, dass, wie das Herz dem Körper alle Lebenssäfte durch seine Aufgabe in der Blutzirkulation zuführt, so auch Israel das Geistes- und Sittenleben der Völker gefördert hat. J. II. kannte den Kreislauf des Blutes nicht, der erst durch William llarvey 1619 entdeckt wurde. Auch fehlte noch die geschichtliche Erfahrung, die wir um neun Jahrhunderte länger überblicken. Für ihn soll das Gleichnis vom Herzen nur zur Erklärung dafür dienen, dass das erwählte Volk in so ungleichem Masse von Leiden heimgesucht wird. Das Herz ist als Centralorgan allen Einflüssen am stärksten ausgesetzt. Alle seelischen Erregungen wirken allein auf das Herz. Dazu kommt, dass es von den Krankheiten vieler Organe in Mitleidenschaft gezogen wird. Darum leidet es am meisten. Da aber andererseits ohne seine Tätigkeit der ganze Lebensprozess aussetzt, ist es wiederum das gesündeste. Es reagiert auf jeden Angriff so stark, dass eine Erkrankung dieses Zentralorgans sofort, wenn sie sich einzuwurzeln sucht, ausgemerzt wird. Es gibt keine Herztuberkulose, keinen Herzkrebs.1) Dreierlei wird von J. H. aus diesem Vergleich abgeleitet. Zuerst: Israels Leiden sind die Folge seiner grösseren Empfanglichkeit für alle Einflüsse von aussen. Wir würden sagen: die höhere Stufe des Lebens ist mit grösserer Empfindlichkeit ausgestattet. Diese Leiden sind zweitens durch die Verbindung mit den anderen Völkern hervorgerufen. Der Vergleich ist hier ein mehr äusserlicher: Israel leidet, wenn es sich den anderen 1) Auch nach dem heutigen Stand der Medizin sind diese niemals primär und treten auch sekundär so selten auf, dass sie von J. H. ausser Acht gelassen werden konnten.

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