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Jeschurun · 1921-03-01 · Heft 3-4 (März 1921) · p. Seite 94

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 3-4 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 94 (sequence 8)
Language
German
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94 Die Erwählung Israels. er doch gewinnen will/ bleibt er fest bei der Behauptung, dass auch der Proselyt, der sein ganzes Wesen der Thora und ihren Forderungen erschlossen hat, eben deshalb, weil er einer anderen ״Rasse“ entstammt, aus diesem Heiligtum, dem Besondersten und Eigensten an Israel verbannt bleibt. Er, der mit einer Toleranz, wie sie uns sonst nirgends im Mittelalter begegnet, das Christentum und den Islam charakterisiert, ist hier intolerant־ Denn er muss es sein, will er das Fundament nicht zerstören, auf dem er den Bau seiner Beweise errichtet. Aber es ist nicht sein letztes Wort. Der Geist vermag auch die Natur zu wandeln. Nicht plötzlich zwar, aber allmählich im Verlaufe vieler Generationen. Die dem Judentum entstammenden Tochterreligionen haben diese Bestimmung. Sie bereiten die messianische Zeit vor. Israel gleicht dem Samenkorn, das in der Erde die Elemente in seine Natur verwandelt. So wandelt auch die Lehre Mosche’s jeden, der nach ihm komm!:, in Wahrheit in sich um, wenn sie auch scheinbar von ihm verwerfen wrird. Alle die anderen Völker befinden sich im Stadium der Vorbereitung für den erwarteten Messias, der die Frucht ist, und dessen Frucht sie alle werden, wenn sie ihn anerkennen und alles ein Baum wird. Die Lösung für die zweite Seite unseres Problems gibt J. H. in dem berühmten Vergleich: Israel das Herz im Organismus der Menschheit. Durch die Erwählung Israels und den Akt der Offenbarung ist ein besonderes Verhältnis zwischen Gott und seinem Volk an gebahnt. Israel hat sich zu immer grösserer Gottesnähe zu läutern, Gott begleitet es auf diesem Wege mit seiner Gnade. Dies Verhältnis hat aber nun nicht etwa zur Folge, dass Israel Unverdientermassen mit besonderen Glücksgütern von seinem Gott bedacht wird. Die Wechselwirkung ist nur eine andere als die zwischen Gott und der nichtjüdischen Welt. Während diese dem gesetzmässigen Ablauf der Naturentwicklung überlassen wird, die Völker, die entarten, dem Verderb und dem Untergang anheimfallen, folgt bei Israel die Strafe (als Mittel der Auslese) der Sünde sofort auf den Fuss, ebenso wie der Lohn unmittelbar mit dem gottgemässen Ver-

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