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Jeschurun · 1921-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1921) · p. Seite 87

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 87 (sequence 89)
Language
German
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Bücherbesprechung. ST halten hat, ist das ״Als ob* ein vertrauter Begriff. Er ist auch Verhältnismassig einfach plausibel zu machen. Wenn mau davon ausgeht, dass ich zunächst nur Bewusstseinsinhalte kenne, dass alle Gegenstände0, die ich schaue, unmittelbar in mir als Inhalte meines Wissens ruhen und erst durch einen anschliessenden Denkprozess zu mittelbaren gemeinten Gegenständen werden, die 80 sind, ״als ob“ sie selbständig wären und in mir Vorstellungen hervorrufen, dann ist eigentlich schon alles gesagt. Ein selbständiges Reich der ״Dinge“ ist den nichtmetaphysiscben Philosophen keine Tatsache, geschweige denn Voraussetzung. Natur und Seele sind nur ״gleichsam selbständige“ Reiche; erst in der Metaphysik tauchen die Probleme der Realität auf. Krauss wählt nun, um das ״Als ob“ zu erläutern, als Einführung die Erörterung der Atomtheorie. Ich will nicht darüber mit ihm rechten, ob das der richtige Weg ist. Der Atombegriff ist nicht so geläufig und für den Laien fasslich, dass er die geeignete Basis für das Erfassen eines Erkenntnis- Problems ist. Aber ich kann ihm den Vorwurf nicht ersparen, dass er über die Atomtheorie höchst mangelhaft den Leser instruiert. Wenn man das Atom nur in der Anschauung Helmholtz', Liebigs und E. Du Bois Reymonds darstellt, kann man allerdings nicht fassen, wie die Wissenschaft sich mit dieser unhaltbaren Fiktion abfinden kann. Es dürfte aber — was in grösserem Zusammenhang einmal für jüdische Leser dargestellt werden 8011 — von grösstem Interesse sein, dass kaum auf irgend einem Gebiete theoretisch und experimentell so erhebliche und befriedigende Fortschritte gemacht worden sind wie auf dem der Atomtheorie. Es hat sich gezeigt, dass jedes Atom aus einem System elektrischer Einheiten u. zw. dem negativen Elektron als Kern und positiven Elektronen als Ring besteht, und dass die Zahl der positiven Elektronen u. a. für die chemischen Elemente charakteristisch sind. Was Ultramikroskop und die Erforschung der Röntgenstrahlen für dieses Gebiet bedeuten, dass alles ist hochinteressant: auf der letzten Aerzte- und Naturforscherversammlung in Nauheim haben Kossel u. a. höchst bedeutsame Mitteilungen gemacht. — Auch hat Krauss kaum die Bedeutung des ״Als ob“ für die Logik (Ordnungslehre) gezeigt. Was das ,Als ob“ für die Ausdeutung religiöser Gedanken sein kann, ist nur ausdeutungsweise gesagt; es bleibt abzuwarten, was im einzelnen diese Betrachtungsweise leistet. Eine besondere Erwähnung verdient Kuks ״Erez Jisroel“. Hier ist in einer merkwürdig schauenden grossartigen Denkweise die zentrale Bedeutung Erez Jisroels als des Landes der Heiligkeit gezeichnet. Mir will scheinen, dass selten vorher in solcher Sprache und geistigen Ursprünglichkeit geschrieben worden ist. Das Bemerkenswerteste ist: hier waltet wahrer jüdischer Geist. Nicht von irgend einer Parteiplattform wird hier höchste Palästinaliebe gelehrt, sondern aus dem ungeteilten, unversehrten Denken eines Mannes, der umfassendes Wissen mit in die Tiefe dringendes Erkennen jüdischer Sonderart vereint. Wie gross ist im Zusammenhang seiner Gedanken der Satz: אתהלך לסבי ה, בארצות החייס זו ארץ ישראל. Treue, befruch-

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