Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
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76 Das jüdische Bildungsideal. R. Meir, R. Jehudab, Abba Saul, Abba Gorjon fordern, dass jeder Vater seinen Sohn ein bestimmtes Gewerbelehre: sie raten nur von gewissen Beschäftigungen ab, die zu jener Zeit als verrufen galten16). Ganz besonders kam aber der Antagonismus gegen R. -Simon’s Auffassung in der Gründung einer sich עדה קרושה (aramaisch קד,לא קרישה) nennenden Vereinigung zum Ausdruck, deren zwei vornehmste Mitglieder wir in R. Josse b. ha-Meschullam und R. Simon b. Menassjah kennen lernen. ״Heilige Gemeinde״ wurde dieser Verband genannt, weil die Mitglieder ein Drittel des Tages der Thorah, ein anderes Drittel dem Gebete, endlich das dritte Drittel der Arbeit widmeten17). Es gab auch solche unter den ]Mitgliedern, die sich im Winter mit dem Studium, im Sommer mit der Arbeit beschäftigten18). Im Namen dieser ״heiligen Gemeinde“ tradiert R. Jebudah ha-Nassi den Grimdsatz ״ קנה לך אומנית עם התורהErwirb dir ein Handwerk nebst der Erwiderung lautet (Sifre): אין לדבי סוף. S. ferner j. Kidduschin 17, wo im Namen R. Ismaels die folgende Deutung zu Deut. 30,19 angeführt wird: ובהרת בחייב, דו אומנות. 18) Ende M. Kidduschin. Zum Text s. Krauss. in der ״Monatsschritt für Gesell, u. Wiss. desJuöent.“ Bd. 51 (1907). S. 154 ff; Aggadah der Tann. II. 13,868. H78. — Wenn man trotz dem hier dargesteüfcen Standpunkt R. Simons die Arbeit verherrlichende Sprüche in seinem Namen angeführt findet (j. Maassroth 1150a: גדולה מלאכה . . . שפועל עושה במלאכתו ואובל ופצוד מן הגזל; Neäarim 49b: גדולה מלאכה שמכבדת בעליה: dieser Spruch wird ebenda auch R. Jehudah zugeschrieben), so ist das so zu erklären, dass R. Simon keinesfalls die Arbeit geringschätzen wollte; er eiferte bloss gegen das Erlernen eines Gewerbes, dem man sich völlig hin geben muss, während das Thorastudium dadurch vernachlässigt wird. Er meinte wohl, die bescheidenen Bedürfnisse eines Menschen könnten־ auch ohne ein ״Brotstudium“ und bloss durch die allemotweudigste, gelegentliche Arbeit beschafft werden. Solche Arbeiten hatte auch er verrichtet, denn auf Geschenke wollte er sicherlich nicht angewiesen sein. In Nedarim 49b ist übrigens nicht einmal von eigentlicher Arbeit die Rede. 17) Kohelethr. zu 9,9: שהיו משרשין היום ובד. 18) Ebenda וי״א שהיו יגיעין בתורה בימות ההורף ובמלאכה בימות הקיץ Dass die zwei Begründungen sich gegenseitig nicht ausschliessen, sondern ergänzen, ist leicht zu begreifen. יגיעין vgl. oben Anm. 5.