Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
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74 ■»1׳ 11 Das jüdische Bildungsideal. weltliche Beschäftigung allgemein zu verdammen wären. Er meint bloss, dass das hingebungsvolle Sichunt er werfen unter die Lehre Gottes das Joch der Existenzsorgen für den Menschen erleichtere, ja ihn für die Beschwerlichkeiten, mit denen der Broterwerb verbunden ist, gleichsam unempfindlich mache8). Es wird höchstens noch empfohlen, sich weniger dem Geschäfte als dem Studium zu widmen, wenn man sich die Thorah ״erwerben“ will 9). Entgegen dieser allgemeinen Wertschätzung der festen Existenzmöglichkeit, die durch das Erlernen eines Gewerbes gewährleistet ist, begegnen wir von der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts an bei einigen Lehrern einer Auflassung, die Handwerk und Gewerbe gewissermassen geringschatzt, um die Verdienstlichkeit ausschliesslichen Thorahstudiums umso höher zu stellen: Diese Aenderung in der Bewertung des Gewerbes ist auf Simon b. Jochai zurückzuführen. ״Die Beschäftigung mit der Thora ist nach R. S. b. J. ein das ganze Leben und den ganzen Menschen in Anspruch nehmender Beruf, dessen Erfüllung durch die Sorge um das tägliche Brot beeinträehtigt wird. R. S. b. J. scheute sich auch nicht, die Konsequenz seiner Theorie vom ausschliesslich notwendigen Thorastudium zu ziehen. Er fragte: Da die Beschäftigung mit dem Ackerbau das ganze Jahr hindurch zu arbeiten gibt, wTann soll man Thora lernen? Die Antwort lautet: In der Tat war es bestimmt, dass Israels Arbeiten, wenn die Israeliten Gottes Willen erfüllen, von Anderen vollzogen werden, während, wenn sie Gottes Willen nicht erfüllen, sie selbst die Feldarbeiten verrichten10). Ais er s) Vgl. dazu Agada d. Tann. 12. S. 54; Strack, Die Sprüche der Väter 2, S. 34 Anm. p. 5) Aboth IV 10: ר׳ מאיר א׳ הוד, ממעט בעכק ועסוק בתודה VI 5: בפעוט סחורה. Dagegen hat ebenda במעוט דרך ארץ die Bedeutung von תשמיש, vgl. R. Isr. Lipschit z und Baer’s Kommentar zum Siddur. Dass dies die einzig richtige Erklärung ist, beweist der Umstand, dass סחורה bereits vorher genannt wurde, und, dass ד״א in den korrekten Ausgaben (vgl. b. Talm. u. Strack 5S) nach תענוג und שהרע folgt. *°) Sifre Deut. § 42. Midr. Tannaim (Hoffmann) 35 f., Berachoth