Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
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Dostojewsky und die Judenfrage. 67 liebe übt und Gott im Herzen trägt. Der Russe nur ist eigentlicher Träger der religiösen Idee. Dieser mit tausend anderen heimatlichen Bindungen verknüpfte Glaube an die russische Berufung ist die Quintessenz seiner Lebensanschauung. Ein ungeheurer Optimismus gegenüber der russischen Seele, ein geradezu grotesker Widerwille gegen jede nichtrussische Wesensart. Wie hätte er so das jüdische Volk begreifen können? .Nicht ohne Ironie verschliesst er sich einfach der ,,vierzig Jahrhunderte alten Geschichte“ der Juden, ihn konnte sie nichts lehren. Aber er anerkennt jede judenfeindliche Konstruktion, da sie doch so überzeugend in sein politisches System verwebt ־werden kann. Die slawische Frage der Balkanländer wäre längst gelöst, wäre nicht die jüdische Idee in der Welt so stark. Die russische Volkskraft wurde von den Juden geschwächt. Einem Zeitungsbericht zufolge, den er. ohne Weiteres übernimmt, haben die Juden die ganze litauische Bevölkerung mit Branntwein zu Grunde gerichtet. Dem ״Europäischen Boten“ erzählt er nach, dass die Juden in Nordamerika die damals gerade befreiten Neger sofort aufs Neue versklavt hätten. Eines hat er begriffen, mit einem gewissen Scharfsinn, denn schliesslich war er doch ein genialer Mensch und bedeutender Betrachter, und warum sollte es ihm nicht möglich geworden sein, auch ein wenig an der äussersten Schale des Judentums zu rühren. Status in statu: das scheint ihm des Rätsels Lösung. Ohne solchen ausserordentlichen Zustand müsste das Judentum längst zu Grunde gegangen sein. Die Kennzeichen aber dieses Status in statu sind ihm: ״Absonderung und Abgeschlossenheit von ״allem, was nicht Judentum ist, und die TJnverschmelzbarkeit mit anderen Völkern; der Glaube, dass es in der ganzen Welt nur ein einziges persönliches Volk gibt — die Juden —, und die TJeberzeugung. die anderen Völker, w״enn sie auch vorhanden sind, doch so behandeln zu müssen, als ob sie nicht vorhanden wären. Und der letzte Sinn dieser Absonderung ist ihm nur: alle anderen