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Jeschurun · 1921-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1921) · p. Seite 66

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 66 (sequence 68)
Language
German
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66 Dostojewsky und die Judenfrage. im Einzelheft erschienen.*) Wollten wir sein Lebenssystem ganz erschöpfen, wir müssten seine russische Gläubigkeit und seine russische Welthoffnung ebensowohl wie sein politisches Märtyrertum miteinbeziehen. Hier aber decken wir nur auf, wie er das Judentum schon a priori als Zerrbild schaut, wie er sich in geradezu geistloser und beschämender Weise dem jüdischen Gesamtgeist verschliesst, dafür aber einige auf Russland beschränkte Erfahrungen und gewisse Nachrichten judenfeindlicher Zeitungen und Journale als zuverlässige Quelle anerkennt, um politische und soziologische Schlüsse von unheimlicher Tragweite zu ziehen. — Weit entfernt, eine fremde Kultur- oder Geisteswelt nur begreifen zu wollen, gibt er auch hier ein umfassendes Bekenntnis zum russischen Volk und zur allrussischen Gläubigkeit. Kein Gedanke dämmert ihm, dass sich vielleicht• etwas Allmenschliches in allen Religionen finden, dass trotz aller Staatliehen Vereinzelung der Menschheit (diesem wahren priacipium individuaüonis der Völker) vielleicht eine gemeinsame sittliche Aufgabe in aller staatlichen Sondergebundenheit sich entfalten w7erde. Russland ist das auserwählte Land, sein Volk das ausenvählte, die Volksreligion unmittelbares Gottes wort und eigentlich der ganzen Menschheit gegeben. Man begreift die prophetische Gebärde des Dichters bei seiner Aufgabe, Sprachrohr solcher Gesinnung zu sein. Wie konnte er noch andere Kulturen begreifen, da er so sehr auf sein Land beschränkt war. Vfohl war es ein ungeheures Volk voll ungebrochener Kraft, aber schliesslich doch nur eine Form des Menschlichen. Ueber dem russischen Menschen vergass er das AllmeDSchliche ganz. — Symbol und einziger Ausdruck für reinste Menschlichkeit ist ihm Russland geworden. Hier wurzelt seine fanatische Liebe. Denn nur der Russe ist ihm der inbrünstige, sehnsuchtsvolle und gotterfüllte Mensch, da er in urchristlicher Weise Menschen- *'! Dostojewsky : Die Judenfrage. Einhorn-Verlag in Dachau hei München.

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