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Jeschurun · 1921-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1921) · p. Seite 60

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 60 (sequence 62)
Language
German
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60 R. Jisroel Salanter u. die Mnssarbewegung. Raum. Von den Worten des Schulcban Aruch entfernte er sich nicht um Haaresbreite und gab willig alles selbst für eine religionsgesetzliche Erschwerung (גמרא) eines der letzten Dezisoren hin; und wenn ihm zuweilen auch Worte entschlüpften, die zu einer vielleicht üblichen Auffassung und religiöser Denkungsart, in Gegensatz standen, so erklärte sich das zur Genüge als Originalität eines Frommen, der zugleich scharfsinniger Gaon war. Sein Mnssarwirken im Wilna war öffentlich und der Gesamtheit zugewandt. Es erschöpfte sich in öffentlichen Reden und der Herausgabe der Mussarschriften alter Autoren. (Das Werk השכין הנפש von R. Mendel aus Satnow und גורן בנון von R. Schelomoh Gabirol wurden auf seine Veranlassung 1844 gedruckt.) Solche schlichte Arbeit hat aber auch rein gar nichts Reformatorisches an sich. Auch das ״Mussarhaustt, das er in Wilna im Hofe des R. Salman b. Uriah gründete, konnte keinen Argwohn erregen, weil der Eintritt jedem frei war und jeder sich überzeugen konnte, was dort vor sich ging: dort versammelten sich Männer, die פסלת שרים' und חוב־ית■ הלבבות lernten. R. Jisroel war der Liebling aller Schichten und Parteien, und mit der Popularität seiner Persönlichkeit verbreiteten sich seine neuen Mussar-Ideen ---- ohne Widerspruch und Protest Freilich nur in den seltensten Fällen drang man in die Tiefe seiner Tendenzen, und selbst unter den Talmudisten erkannten nur wenige das Neuartige seiner Gedanken, aber dafür war das allgemeine Denken der Lomdira, ohne dass sie es wussten, von seinen neuen Gedankengängen beeinflusst, und die Erkenntnis der Notwendigkeit des Mussarstadiums und seiner praktischen Betätigung brach sich Bahn und wurde in Theorie und Praxis angenommen. Nach dieser Richtung hatte R. Jisroel bereits im wesentlichen sein Ziel erreicht. Ihm lag der Gedanke, der Neuerer sonst erfüllt, eine neue Sekte in Israel zu gründen, völlig fern. Er betrachtete sich nur als öffentlichen Mahner, dessen Pflicht es ist, dem Volk die fast vergessenen Herzenspflichten ins Gedächtnis zurückzurufen, aber er hütete sich, irgend etwas zu tun, was nach Sektenbildung oder Neuerungssucht aussah. Aber in K 0 w n o nimmt die Mussarbewegung fast den Charakter einer neuen Lehre im Judentum an. Die Musserniks vereinigen sich zu einer ge-

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