Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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B. Jisroel Salanter u. die Mussarbewegung. 5S Einheit toii ״Thorah und Haskalah“ wirken würde. Sie bemühten sich, ihm zu beweisen, dass er in Gemeinschaft mit ihnen am ehesten sein Ideal verwirklichen könne, das in Wahrheit auch sie suchten ... Es versteht sich, dass R. Jisroel diese Mesalliance an widerte . . . Als ihn einer der Gründer des Seminars, der Arzt Dr. Trachtenberg, fragte, warum er nicht teilnehmen wolle an der Arbeit des Seminars, antwortete er : ״Ein Rabbiner ist kein Arzt. Die Aerzte von heute bemühen sich um die R e i c h e n. Ein Rabbiner muss für die Armen tätig sein. Für einen Armen ist manchmal eine kleine religionsgesetzlicbe Frage direkt eine Lebensfrage. Um seine Aufgabe und seine Pflicht gegen die Armen erfüllen zu können, muss der Raw nicht nur in ש״ס ופוסקים bewandert sein; auch Gottesfurcht, Gläubigkeit und Charaktergrösse ist dazu vonnöten. Es ist kaum anzunebmen, dass die Zöglinge, die in eurem Seminar herangebildet werden, sich in dieser Richtung besonders auszeichnen werden.״ (An seiner Gegnerschaft gegen Seminargründungen hielt er sein Lebenlang fest, so auch in seinem Alter, als er in Königsberg weilte. Damals bat ihn Herr Emil Benjamin aus Memel um einen Empfehlungsbrief an eines der Seminare in Deutschland. R. Jisroel, der sonst jedem Bittsteller solche gab, antwortete diesmal: Ich kann keinen solchen Brief für irgend ein Seminar geben) (s. das Werk von E. Benjamin: R. Jisroel Lipkin, Berlin 1899; S. 11). Da aber die Maskilim wussten, dass an der Spitze ihres Seminars ein talmudiscber G80n, der auch als Frommer bekannt war, stehen müsse, damit seine Zöglinge späterhin rabbinische Autorität fänden, drangen sie ohne Unterlass in ihn. Auf ihren Rat trug ihm die rassische Regierung die Stelle an. Das Ende war, dass R. Jisroel sich aus dem Staub machte und nach Kowno floh. Damit schliesst die Wilnaer Epoche derMussarbewegung, und es beginnt die Kownoer. Wilna war die Periode des jugendlichen Wachstums und Spriessens. ln Wilna wurde sie fast schon eine Volksbewegung. Dort scharte R. Jisroel alle Talmudisten um sich, gewann alle Herzen. Kein Widersacher erhob sich dort gegen ihn. Keiner erblickte in ihm einen Reformator des Gesetzes oder sah in seinen Gedanken eine neue Theorie des Judentums. Weder seine Sitten noch seine Reden gaben irgend welchem Argwohn