Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 57 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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R Jisroel Salanter a. die Mussarbewegang. 57 Erhaltung des Lebens vieler za wirken, gewürdigt worden sei. Das war fürwahr eine Tat, die die Stande gebieterisch forderte• S. Jisroel wusste, dass kein anderer an diesem Ort es sich herausnehmen konnte, eine solche schwerwiegende Handlang auszaführen, and auch das wusste er, dass das Volk auf keinen anderen als ihm hören würde in solch ernster Angelegenheit, Im allgemeinen legte er sich Erschwerungen auf, anderen aber erleichterte er die religiöse Praxis sehr. Einmal sah er, wie einer seiner Schüler beim Waschen vor der Mahlzeit nach Art derer, die die Gebote besonders sorgfältig ausführen (מהדרים) einen grossen Krug Wasser über die Hände goss. Da nahm R. Jisroel einen kleinen Becher und benetzte nur die Fingerspitzen. Als der Schüler ihn fragte, warum er so mit dem Wasser spare, antwortete er: das Wasser trägt die Magd auf ihren Schultern, and man darf nicht auf Koston anderer die Mizwoth verschönern. (In seiner jiddischen Sprache: man tor nit sein kein מהרד oif jenems Pleizes Schultern) [Rosenfeld S. 37J. — Auch das geschah in Wilna: Einst in den Festtagen ging R. Jisroel auf der Strasse und sah. wie eine Frau eilends lief und lebendiges Geflügel in der Hand trug. R. Jisroel trat an sie heran und fragte, was das bedeute. Sie erzählte, ihr kleines Kind sei krank, und sie müsse auf ärztliches Geheiss eine Geflügelsuppe bereiten, doch seien die Schochtim nicht daheim. R. Jisroel verstand, dass die frömmsten Schochtim sich am Jomtob dem Schächten entzogen. Da erlaubte er ihr selbst zu schlachten . . . (Dies habe ich selbst von dem Gaon R. Meir Peimer aus Sluzk gehört im Hause meines Lehrers des Gaon R. Eiiah Baruch Kamai aus Mir). Der Erzählungen, die über des Gaon Lebensführung im Volksmund lebendig sind, ist kein Ende. Zur Ergänzung seines Bildes will ich nur noch eine besonders charakteristische Erzählung mitteilen; Im Hause R♦ Jisroels, in Wilna, wohnte eine arme Frau mit einem kleinen Kind. Am Kolnidre-Abend eilte die Frau in die Synagoge. Als die Mutter fort war, wachte das Kind, das in seiner Wiege bisher schlief, auf und fing an zu weinen. R. Jisroel, der bereits in die Synagoge gehen wollte, trat an die Wiege des Kindes, beruhigte und besänftigte es durch Gesang. — Als die Matter beimkehrte, fand sie den Gaon vor dem Bett stehen in