Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
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56 R. Jisroel Salanter u. die Massarbewegxmg. pflege widmen. Er sagte: der Mensch dürfe nicht ängstlich 1and verzagt der Seuche gegenüberstehen, denn was bedeute letzten Endes des Menschen Leben! Dennoch sei der Mensch durch Thorahwort verpflichtet, die Gesetze der Hygiene zu beobachten und auf ärztlichen Rat zu hören! Ueber den Tod einer teuren Person dürfe man nicht klagen oder murren, denn sie sei erlöst von ihrer Not, dem irdischen Leben, wenn sie in ihr jetziges Reich einziehe, doch dürfe man keinesfalls die Pflicht der Lebensrettung vernachlässigen, solange noch Leben vorhanden sei. (Vgl. die Briefe des Gaon in אור ״ישראל S. 67). Am Rüsttage des Jomkippur Hess er damals an allen Lehrhäusern der Stadt Bekanntmachungen anschlagen, in denen er das Volk ermahnte nicht zu fasten, weniger פיוטים za sagen und sich dafür umso mehr im Freien zu bewegen. Nach שחרית am Jomkippur bestieg er die Kanzel, Wein und gute Speisen tragend, machte קדוש, trank und ass vor den Augen aller. Eine grosse Angst bemächtigte sich des betenden Volkes, das seinen Augen nicht traute. Doch R. Jisroel stieg nicht hinab, sondern forderte mit Nachdruck vom Volk, dass es seine Tat nachahme. Nach dem Fasttag war die ganze Stadt in Bewegung, und einige von den alten Rabbinern murrten, dass er solch ein schweres Verbot öffentlich aufgehoben habe. Als R. Jisroel das erfuhr, liess er bekannt geben, dass er in der grossen Synagoge einen haiachischen Pilpul halten werde. Selbstverständlich versammelten sich alle Talmudisten um zu hören, in welcher Weise R. Jisroel seinen פםקי־ידין rechtfertigen würde. Er aber erwähnte das Ereignis mit keinem Worte, sondern trug einen tiefgründigen Pilpul vor, der an erschöpfender Behandlung und Scharfsinn alle früheren übertraf. Das brachte seine Widersacher zum Verstummen! (Im Namen seiner Schüler habe ich vernommen : dieser wunderbare Pilpul war in höherem Masse als gewöhnlich eine Offenbarung seines wahren Wesens. Die Stunde erforderte es, dass er seine sonst verborgenen genialen Fähigkeiten mehr als gewöhnlich enthüllte — dennoch war es auch diesmal keine völlige Demaskierung... s. Jesch. VII 11/12). Immer wenn das erwähnte Ereignis später genannt wurde, freute er sich unendlich, dass er dieser grossen Mizwah, für die