Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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R. Jisroel Salanter u. die Massarbewegang. 55 später als Redner Berühmtheit erlangt haben, stammten aus diesem lebensvollen Lehrhaus. Der grösste unter ihnen war der Gaon R. Jakob Joseph, der מדד מישרים und סלדה צדק in Wilna war, (gegen sein Lebensende wurde er zum Oberrabbiner von New York berufen und starb dort), und s. Z. mit dem Titel ראש הדרשנים in Russland geehrt wurde. Man erzählt, dass bei seinem blossen Erscheinen auf der Kanzel der grossen Wilnaer Synagoge Tausende Tränen vergossen. Fast alle Schüler R. Jisroels waren ausgezeichnete Redner, und viele von ihnen nahmen die Aufgabe auf hich. des Lehrers Lehre und Geist zu verbreiten. So wies die geistige Arbeit R. Jisroels nach zwei Richtungon: zum Volk und seinen künftigen Lehrern: er war selbst der bedeutendste Agitator für die Verbreitung seiner Ideen, und zur selben Zeit bildete er ein ganzes Heer von Mitkämpfern aas, die sein Werk fortsetzen sollten. Ungeachtet seiner allgemein anerkannten Führerschaft wollte E. Jisroel kein Ehrenamt in der Gemeinde annehmen; so mischte er sich nicht in Gemeindeangelegenheiten, sei es nun Wirtschaftlieber oder religionsgesetzlicher Natur (ausgenommen war das Gebiet der Wohltätigkeit, aber auch hier wirkte er nur von Fall zu Fall). DieGelehrten undRabbiner derStadt wandtensichErklärungheischend, an ihn mit Fragen über סור והיה־־:; u, dgl., und er pflegte mit ihnen za disputieren und ihnen bei der Klärung der Halachah za helfen. Aber nie sprach er eine endgültige Entscheidung (הלית פסוקה) aus und lehrte nicht einmal in leichten Fällen halachische Dezisionen. Selbst שאלות, die in seinem Hause auftauchten, liess er durch den zuständigen Rabbiner beantworten. Im grossen und ganzen spielt er den schlichten Privatmann im V erkehr mit den Rabbinern, besuchte sie an den Festtagen und unterwarf sich aus freien Stücken den überkommenen Gesetzen der Disziplin und Ehrerbietung gegenüber dem amtierenden Rabbiner (מיא דאתיא). Nur einmal ging R. Jisroel aus seiner Reserve heraus und tat einen ausserordentlichen Schritt, der seinerzeit grosses Aufsehen hervorrief. Es war 1848. In Wilna war die Cholera ausgebrochen: Rabbi Israel setzte sich der Gefahr aas und bemühte sich in grösstem Massstab um die Lebensrettung von Kranken. In seinen Reden ermahnte er die Einwohner der Stadt, sie sollten keine Furcht haben und sich der Kranken-