Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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54 R. Jisroel Salanter u. die Mnssarbewegang. sie zn einer Hörerschaft za vereinigen, ein Umstand, der die gegenseitige Annäherung zwischen der Aristokratie und den sozial niederen Volksteilen sehr förderte. Und brachte der Menge diese Annäherung unendlichen Nutzen, so war der Vorteil für die Lomdim nicht geringer. Diese sahen jene in seelischer Gehobenheit, dann, wenn das Herz edlen Einflüssen sich hingab und die Seele Schwingen trug unter dem Eindruck der gewinnenden und aufrichtenden Worte. Sie erkannten, dass die Menge, dieser ״demütige tausendköpfige Organismus“ nicht nur als ungeformte, undifferenzierte Masse, die lediglich Gebote erfüllt (מקיים ועושה), existiert, sondern sich auch zu der Stufe erheben kann, wo Verständnis herrscht (שומע ומבין), und für diese Erhöhung, die man ihr zuteil werden lässt, dankt sie mit Liebe. Und noch etwas erfuhren sie: die Kanzel wird nicht auf Pacht der jüdischen Barmherzigkeit überlassen, damit sie ein Sammelbecken der Tränen sei angesichts individuellen und allgemeinen Leides oder eine Sammelstelle für Wohltätigkeit aller Art, — sie kann vielmehr zam Leben und Geist ausstrahlenden Mittelpunkt werden, wenn von ihr aus weise Reden in vollendeter Form ertönen; dass die ״Deraschah״ im Ansehen so sank und zu einem Gefäss geistiger Armut wurde, daran hatte nur die, Nachlässigkeit der Grossen schuld. Diese hatten die Kunst der Rede den unfähigen und minderwertigen Köpfen gleichsam als herrenloses Gut überlassen; doch kann sie wieder ein Gegenstand wissenschaftlicher und künstlerischer Behandlung werden, wenn Denker und Gestalter sie mit ihrem Geist befruchten. Damals erkannte man, dass im Grande die Rede dazu bestimmt ist, für die Grossen und Weisen des Volkes ein Sprachorgan za sein,, durch das der unmittelbare Einfluss einer Persönlichkeit geradenwegs den Weg zum Herzen findet. Für die Talmadisten jener Generation war diese Offenbarung wertvoll und von wichtigen. Folgen: sie hörten auf, der ״Maggiduth“ mit Spott za begegnen, und die, welche das Rabbinat als Lebensberuf erwählten, übten sich hinfort in der Kunst der öffentlichen Rede und beschäftigten sich mit dem Studium des דרוש. Die öffentlichen Reden von R. Jisroel wurden eine Art Schale der Rhetorik. Sie dienten als Vorbild. Fast alle Rabbiner, die