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Jeschurun · 1921-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1921) · p. Seite 53

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 53 (sequence 55)
Language
German
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E. Jisroel Salanter a. die Mussarbewegtmg. 53 Eintritt in die Synagoge keinen Weg zur Kanzel bahnen konnte, so dicht gedrängt standen die Menschen; so pflegten sie ihn denn über die Köpfe der Menge hinweg aaf den Händen zu tragen, wobei ihn einer dem anderen weitergab. Dann zankte wohl einer mit dem anderen, weil jeder der Ehre teilhaftig werden wollte, diese ״Last“ zu tragen; und gar mancher küsste bei dieser Prozedur seine Kleider). Die grosse Masse: Handwerker, Kutscher, Strassenhändler, die ihm im Herzen Dank wussten, weil er willig von seinem hohen ״Gaonuthron zu den einfachen Amme-Haarazoth herabstieg und ihnen keinen scharfsinnigen Pilpul und philosophische Abhandlungen nach Art der anderen Gaonim vortrüg, sondern zu ihnen über die Angelegenheiten ihrer schlichten Seele in einfachen zum Herzen dringenden Worten sprach, waren ihm aufopfernd ergeben und folgten ihm überallhin und bemühten sich, aus seinem Mund die Synagoge za erfahren, in der er den nächsten Vortrag halten würde; dann versammelten sie sich voll Eifer in hellen Scharen und füllten den ganzen Raum der Synagoge, Die angesehenen בעלי־ייבידם, die grösstenteils der Schicht der Talmudisten angehörten, waren aus Platzmangel gezwungen, gedrängt und eingeengt mitten in der Schar der einfachen Leute zu stehen. Das war ihnen gar nicht lieb. In jenem Zeitalter waren die Talmudisten in der Stadt so eine Art geschlossene aristokratische Partei. Sie zeichneten sich durch ihre Tracht und Bräuche aus, vermengten sich nicht mit der Menge und hatten, ausser im Bedarfsfall, keine Beziehungen za ihr. Deshalb waren die Maggidim und die Prediger, die im wesentlichen Lehrer der Menge waren, bei den gelehrten Männern unbeliebt; letztere betrachteten es als Schande, zu den Hörern jener zu gehören, und hielten sich den Maggidipa und ihren Vorträgen völlig fern. Wie gross war drum ihr Staunen, dass dieser Gaon, der der Lehrer der scharfsinnigsten Talmudisten genannt zu werden verdiente, sich der Maggiduth zuwandte, diesem Erbteil der Unbegabten und der Bettler des Geistes. Allmählich mussten sie jedoch diesem seltsamen demokratischen Gebaren ihres Lehrers zustimmen. Nicht gewillt, auf seine Vorträge zu verzichten, vergaben sie sich es,^sich unter das Volk za mengen; so war R. Jisroel fast der erste, dem es gelang, Talmudisten und die Menge am sich zu scharen und

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