Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1921-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1921) · p. Seite 51

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 51 (sequence 53)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2292929-2293004-2293005--04746-2298027
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Die Prophetie. 61 Noch zu einer ganzen Reihe anfechtbarer Thesen müssten wir Stellung nehmen, und nur der beschränkte Raum verbietet ans ein ausführlicheres Eingehen. מ Jeremia ist“ — so behauptet Auerbach — ״der Erste, der aus der Verinnerlichung der Sittlichkeit, der Forderung sittlicher Gesinnung die entschlossene Folgerung zieht: Wenn die ständige Bereitschaft zum Guten und der Seelenfrieden das höchste Gut der Menschen sind, so liegt auch gleichzeitig in ihnen selbst der letzte 11 nd einzige Lohn der sittlichen Tat“. Damit projiziert Auerbach eine moderne Anschauung in den Propheten hinein, welche Jeremias in dieser Form nicht gebilligt haben würde. Denn dass Gott die Guten belohnt und die Bösen bestraft, ist die Voraussetzung jedes prophetischen Wirkens, und Jeremia hätte sich und sein Werk negiert, wenn er den Lohn der Tugend einzig und allein in der ״Selbstbehauptung der sittlichen Persönlichkeit“ erblickt hätte. — Mit der Annahme, dass Hosea Judaeer gewesen sei, steht Auerbach wohl auch unter den Bibelkritikern allein. Sehr zweifelhaft scheint uns die in neuerer Zeit viel vertretene Theorie, dass Jeremia das Ende des Reiches bereits durch den Skythensturm erwartet habe. Dass der Prophet vom Priester Eli oder gar von Moses abstamme, ist wissenschaftlich nicht zu erhärten. Auch von Geschmacksverirrungen hat sich der Verfasser nicht frei gehalten. Die Beziehung, die er zwischen Jeremia und — Baruch Spinoza schafft, scheint uns nicht besonders glücklich; man sollte mit solchen Vergleichen vorsichtig sein. Geradezu peinlich aber berührt es uns, dass auch Auerbach der in gewissen iungjüdischen Kreisen beliebten Sucht nicht widerstehen konnte, den Stifter des Christentums schwärmerisch in den Kreis seiner Betrachtung zu ziehn. Höchst überflüssigerweise. Wir besitzen in den Psalmen• im Buche Hiob, in der unübersehbaren agadischen Literatur so viele Zeugnisse für Verinnerlichung und Versenkung des individuell-religiösen Empfindens, dass wir nicht nötig haben, bei Jeschua von Nazareth eine Anleihe zu machen. Die Irrtümer und Einseitigkeiten, die in dem Werke Auerbachs so zahlreich zutage treten, können durch die Vorzüge des

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.