Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2292929-2293004-2293005--04745-2298026- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
50 Die Prophetie. auf Jeremia zurückgehenden Worte der Auszug aus Aegypten oder seine (sic) Wü3ten- Wanderung erwähnt ist. Angesichts der grundlegenden Bedeutung, die diesem Ereignis in der nachexilischen Zeit beigelegt wird, drängt sich die Annahme auf, dass Jeremia diesen Sagenkreis nicht gekannt oder wenigstens weit geringer gewertet hat״. Wir müssen Jeremia selber zitieren (Kap. II, 5ft*.): ״Was fanden eure Väter Unrechtes an mir, dass sie nicht sagten ״Wo ist der Ewige, der uns herausgeführt aus dem Lande Aegypten, der uns durch die Wüste geleitet etc.“; es sind Worte, die keine Bibelkritik dem Propheten absprechen kann. Geradezu ungeheuerlich die Vor- Stellung, dass Jeremia den Auszug aus Aegypten, von dem bereits die ältesten Schriftpropheten sprechen, (z. B. Hosea II. 17, XI. Iff., Amos II. 10, III, 1, IX. 7), nicht gekannt oder höchstens als Sagenkreis gewertet haben soll. — Irreführend sind ferner die Ausführungen, dass zum ersten Male bei Jeremia Gott als Vater angesprochen wird, ein Name ״der deutlicher als viele Erklärungen die Innigkeit des Verhältnisses zwischen Gott und Mensch in sich fasst“. Nur nebenbei erwähnen wir, dass sich hier Auerbach in Widerspruch zu seiner eigenen These setzt, dcis Wesen der Prophetie liege nicht in der religiös persönlichen Vereinigung des Menschen mit Gott. Zur Sache selbst weisen wir auf Exodus IV, 22, Deutern. 1.01, VIII. 5, XIV. 1. Aber wiederum: Wozu die Wortklauberei? Güdemann hat vollkommen recht, wenn er sagt (Apologetik S. 107): ״Nicht aus den Benennungen Gottes kann das Verhältnis zwischen Gott und Mensch, das eine Religion aufstellt,' ermittelt werden; aus ihrem Geiste, ihrer Gesamtanschauung muss man es erschlossen“. Unmöglich kann beispielsweise die schrankenlose Liebe Gottes zu Israel rührender dargestellt werden als bei Hosea, und trotzdem wird die Bezeichnung Gottes als ״Vater“ nicht ein einziges Mal von diesem Propheten angewandt. Und andrerseits wäre es durchaus verkehrt, aus der Tatsache, dass auch bei Aegyptern und im Zweistromland die Gottheit gelegentlich als Vater angesprochen wird, weittragende religionsgeschichtliche Schlüsse zu ziehen. _