Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Prophetie. 47 sittliche Läuterung des Volkes, der Hinweis auf dessen gottgegebene Bestimmung *ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk״ zu sein, und das Wahrsagen geschieht nur innerhalb dieses Rahmens, ist gewissermas3en nur Mittel zum Zweck, Daher der von Auerbach mit Recht hervorgehobene bedingte Charakter vieler Prophezeiungen : Gott kann immer wieder das Unheil abwenden, wenn der Verschuldung die Bussfertigkeit folgt. Dass aber dieses bedingte Prophezeien *ein wirkliches Erkennen zukünftiger Dinge mit Sicherheit ausschliesse‘L hat Auerbach nicht glaubhaft gemacht. — Darum können wir ihm auch nicht beipfliehten, wenn er zwischen wahren und falsehen Propheten einen Unterschied nur des Grades aber nicht der Art gelten lassen will und den Unterschied damit begründet, dass der echte Prophet eine ,unangreifbare sittliche Persönlichkeit" ist oder lediglich als .,Unheilsverkünder* auftritt. So oberflächlich liegen die Dinge nicht, und um das X eines verstandesmässig nicht zu erfassenden Offenbarungsmomentes werden wir auch bei dieser Frage;,nicht herumkommen. Die unerbittlich schroffe und rücksichtslose Art, mit der die falschen Propheten von Jeremia bekämpft werden, ist ein Zeugnis dafür, dass das prophetische Oftenbarungsbewusstsein nicht ausgeschaltet oder abgeschwächt werden darf. Die Ausführungen Auerbachs über die Vordatierung bestimmter Inspirationen sind psychologisch sehr interessant. Aber der schlichte Wortlaut des Textes (K. XVIII) .,Es erging an mich das Wort Gottes: Steig hinab in das Haus des Töpfers etc." und (K. XXXII) ״Bald wird Ch&n&mel, der Sohn deines Onkels Sallum, zu dir kommen etc.K berechtigt uns nicht, diese Stellen als Resultate nachträglicher Ueberlegung infolge eingetretener Ereignisse anzusehen und den Propheten einer Umbiegung — um nicht zu sagen Fälschung — des Verhältnisses von Ursache und Wirkung zu zeihen. Es liegt keine Nötigung vor, eine solche Gedanken־״ Äquilibristik zu treiben, wie Auerbach es tut, wrenn wir uns nicht auf den Standpunkt versteifen, den Prophetismus rein rationalistisch erfassen zu können. —