Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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44 Die Prophetie. muss Auerbach einräumen, dass sie sich erfüllte. Die 11. (Friedliches Ende Zedekia’s, K. XXXIV, 4—5) sei wieder nicht eingetroffen; hier aberhaben wir es deutlich mit einer bedingten Weissagung zu tun, deren Charakter durch den Zusammenhang mit XXXVIII, 17—78 ganz unverkennbar ist. — Von der 12. Weissagung (K. XXXVI, 30. Jojakim soll keinen Nachfolger haben) gilt dasselbe, was wir von der 7. feststellen mussten; denn Jojachin sass nur 3 Monate auf dem Throne seines Vaters und wurde darauf als Gefangener nach Babel geführt. Und von der 13. ebenfalls (K. XXXVIII, 17—18); nur. Wortklauberei kann eine Nichterfüllung heraustifteln, weil Zedekia nicht getötet, sondern ״nur״ geblendet wurde. Bleibt die 14. Weissagung,, den Tod Pharao Hophra’s betreffend (XLIV, 30). Auch sie kann nicht als unerfüllt bezeichnet werden. Die Eroberung Aegyptens misslang Nebukadnezar durchaus nicht, wie Auerbach meint. Nebukadnezar besiegte die Aegypter im Jahre 567, wie aus den Keiiinschriften hervorgeht, hatte aber nicht die Absicht, das Niltal dauernd seinem Reiche einzuverleiben, wrornit Jerem. XLII1, 12 aufs Trefflichste harmoniert. Dass Jeremia den Tod Hophra’s Nebukadnezar selber zuschreibt, kann aus dem Texte nicht gefolgert werden; jedenfalls war dieser Tod (durch Amasis) eine Folgeerscheinung des babylonischen Sieges. 'Wenn also Auerbach behauptet: ״Es zeigt sich mit völliger Sicherheit, dass der Prophet so wenig wie irgend ein anderer Mensch in die Zukunft zu sehen vermag״, so dürfen wir diesen Satz getrost in sein Gegenteil umwandeln: Der Prophet hat eine Divinationsgabe, welche weder mit kluger politischer Voraussicht identisch ist, noch auch mit der moralischen Gewissheit, dass der Sünde die Strafe folgen müsse, erklärt werden kann. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der Prophet vielfach (durchaus nicht immer!) sich nicht auf Einzelheiten einlässt, sondern nur ״in allgemeinen Wendungen die Richtungen des zukünftigen Geschehens festlegt״. Als Beweis für das Nichteintreffen von an die Völker ge-