Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2292929-2293004-2293005--04737-2298018- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
42 Die Prophetie. Haltung״ gegenüber Synagogengottesdienst und Festfeiern ein״ nehmen — eine Annahme, die sich selber ad absurdum führt. Die Sabbat predigt Jeremias, (Kap. XVII, 19 ff.) wird durchaus nicht, wie Auerbach behauptet, von allen Kritikern als späterer Einschub hingestellt. Man vergleiche dazu die Ausführungen von Prof. Rothstein in der Kautz’schea ״Heiligen Schrift des Alten Testamentes“. Ferner derselbe Gelehrte a. a. O. ״Den Opferkultus an sich, wenn er von gläubigen Herzen und reinen Händen gebracht wird, will Jeremia ebensowenig wie irgend ein anderer Prophet verwerfen“. Dass in Kap. XXXIX die Zerstörung des Tempels nicht erwähnt wird, darin erkennt Auerbach ״ einen Ausdruck von symbolischer Wucht*' für die Stellungnahme des Propheten. Er dürfte aber aus diesem Nichterwähnen schon darum keine Schlüsse ziehen, weil die Bibelkritik, deren Hypothesen er ja sonst gerne berücksichtigt, geneigt ist, in dem betr. Kapitel eine grosse Lücke anzunehmen — — — Wie Auerbach im Banne der landläufigen bibelkritischen Anschauung die Kuitusreform des Josia wertet, ist eine Sache für sich. Dass er aber Jeremias gegen das Gesetz des Deuteronomiums protestieren lässt, ist eine durch nichts zu begründende ungeheuerliche Fiction. Die schwierigen Worte ישקר עשה עט ש:ך ס%פרים (VIII. 15) können doch wohl dem Zusammenhang nach nur ironisch verstanden werden: Bei dem Abgrund, der zwischen der Theorie des Gotteswortes und der Praxis seiner Ausführung klafft, ist der Besitz der Torab, dessen man sich rühmt, völlig wertlos: der Griffel des Abschreibers hat seine Arbeit umsonst getan, sie ist zur Lüge geworden. — Wenn Jeremia von der Kultusreform Josia's an dreizehn Jahre lang nicht prophezeite, so ist dieses Schweigen durchaus nicht so demonstrativ, wie Auerbach meint. Auch für prophetisches Wirken muss irgend ein Anlass vorliegen. Der von dem ספר התורה belehrte König hielt streng auf Recht und Gerechtigkeit (Jer. XXII, 15), jede Abgötterei ward aufs Schwerste gezüchtigt, und deshalb bestand kein Grund zu prophetischer Strafrede. Die Nachfolger aber rtaten wieder, was dem Ewigen