Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Prophetie. 41 Es rächt sich an Auerbach, dass er — ganz und gar Verstandesnatur — die Gefühlsmomente, die auch in der jüdischen Religion ihre grosse Bedeutung haben, weit über Gebühr vernachlässigt. Einmal hat er es richtig ausgesprochen, dass die Auffassung der Propheten eine vollkommene und unauflösliche Einheit zweier Gefühlswerte - des Sittlichen und des (Mystisch-) Religiösen — darstelle. Aber in seinen weiteren Ausführungen setzt er sich selber mit dieser richtigen These in Widerspruch, weil er nicht nur die Suprematie des Sittlichen über das ״Religiöse" klarlegt, sondern darüber hinausgehend den sittlichen Gedanken zum ADeinherrscher macht, neben dem das Mystische als Gefühl einer persönlichen Verbundenheit mit Gott überhaupt nicht mehr in Betracht kommt. Die einseitige Uebersteigerung des sittlichen Princips verleitet Auerbach zu weiteren Schlussfolgerungen bedenklichster Art: und er verfährt dabei ganz nach dem bekannten Brauch, widersprechende und unangenehme Schriftworte als spätere Einschiebsei zu eliminieren, wenn sie nicht in das Schema hineinpassen. Jeremias «räumt alle Sakramente hinweg4*, er ״steht über jedem Formwesen und jedem Ceremonialgesetz44; das sind, in ihrer apodiktischen Unbedingtheit, völlig unerweisliche und irreführende Behauptungen. Es ist auch nicht wahr, dass Jeremias den Kultus höchstens als ״Symbol innerer Reinheit und Einheit des Gottesvolkes44 anerkennen will. Weder die der Bundeslade gewidmeten Worte (K. III, 16) noch die Erwähnung der Beschneidung (K. IX, 25) können als Zeugnis für eine Gleichgültigkeit Jeremias dem Kultischen gegenüber ausgelegt werden. In nichts lässt sich, wie Auerbach es will, eine klare und schneidend scharfe Gegenüberstellung von Prophetie und Gesetz erweisen. Dass der Kultus, mechanisch geübt, zu Aberglauben und Scheinfrömmigkeit führen kann und dass er deshalb eines Korrelates bedarf, der mahnenden Stimme der sittlichen Erweckung und Erneuerung, soll nicht bestritten werden, — diese Auffassung des Prophetentums ist aber nicht die Auerbach’sehe! — Es müsste nach ihm Jeremias, wenn er heute lebte, eine ״ablehnende, zuxa mindestens gleichgültige