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Jeschurun · 1921-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1921) · p. Seite 38

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 38 (sequence 40)
Language
German
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38 Die Prophetie. Die Wahl Jeremia's ist eine glückliche, vielleicht die einzig mögliche. Nicht nur deshalb, weil die tragischen Schick-־׳ sale dieser überragenden Gestalt uns in einer Ausführlichkeit mitgeteilt sind, wie bei keinem anderen Propheten. Offen breitet Jeremia sein Seelenleben vor uns aus und lässt 1ms tiefe Einblicke tun in sein Menschliches, in die Werkstatt seiner Gefühle. Wir sind Zeugen nicht nur der prophetischen Ergüsse, sondern auch der Kämpfe und Beklemmungen, die ihnen vorangehen, der Gemütswallungen, die sie begleiten, der Verzweiflungen und des Triumphes über alles Verzweifeln. Und der Fluss der pro״ pbetischen Rede ist, wie Auerbach mit .Recht hervorhebt,י rein und edel, unbelastet von Schwere ergreift sie durch erschütternde Schlichtheit. Zur Bewältigung seiner Aufgabe hat Auerbach die Methode der Psychoanalyse (bis auf Professor Freud!) und den gesamten Hilfsapparat der bibelkritischen Schule aufgeboten: dass er uns׳ ־wesentlich Neues erzählt oder das Rätsel der Prophetie erhellt habe, wird man aber nicht behaupten können. So stark der Essai von Anfang bis Ende fesselt, und so anerkennenswert die Leistung eines Nichtfachmannes ist, so mussten doch zwei Faktoren, mit denen der Autor an das gewaltige Problem herangetreten i3t, den Lösungsversuch von vornherein zum Scheitern bringen: Die einseitig rationalistische Be־ traehtungsweise und die Unzulänglichkeit des Wissens. Schon in den principiellen Grundfragen scheiden sich unsere Auffassungen. Unsere jüdische Ueberlieferung ist weit entfernt, die Propheten lediglich als Sprachrohr des göttlichen Mundes an־ Zusehen. Der Talmud unterscheidet in treffenden Bemerkungen zwischen den Individualitäten der verschiedenen Gottesmänner, und Maimonides nennt ausführlich die Charakter- und Geisteseigenschaften, 'welche der Prophet besitzen muss, um der Inspiration teilhaftig zu werden. — Auerbach aber will ein übernatürliches Offenbarungsmoment überhaupt nicht anerkennen und betrachtet als Schüler der radikalen Bibelkritik den jüdischen

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