Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Tradition. 37 und zu passender Zeit das Alte mit dem Neuen, verweben. Ich denke z. B. an das alte Universalienproblem der Philosophie1), das auch heute wieder einiges Interesse beansprucht. Eine Wissenschaft, aber auch das Leben ohne die Basis der Tradition ist . nicht nur ärmer an Gebalt sondern auch viel weniger entfaltungsfähig. Denn nicht die unbedeutendsten Aufgaben ergeben sich aus dem Vergleich des tradierten und neu erworbenen Gutes. Die souveräne Beherrschung des überlieferten Gutes gestattet erst die sichere Stellung zum Neuerwerb. Denn die traditionslosen Denker haben die Parvenumiene der Emporkömmlinge und man geht nicht fehl, in den Kennern und Schätzern der Tradition ebenso die wirksamsten Förderer des Fortschritts zu erkennen wie in der Gestalt eines Mirabeau einen der befähigsten Revolutionäre. Erst die Kenntnis des Vorhandenen gestattet, die Lücken in der Kultur zu erspähen. Denn nicht jede Neuerung bedeutet eine Erneuerung. Die Kultur hat gewisse gesicherte Säulen und Mauern. Die Lücken in ihnen zu füllen, ist die Aufgabe der Arbeiter, die über das Vorhandene hinausgehen. Jene Mauern aber muss man kennen, um sie ergänzen zu können, und lieben, um sie vollenden zu wollen. Die Prophetie. Von Dr. Elias Auerbach. Eine Besprechung von Rabb. Dr. Emil Levy. Der Versuch Auerbachs bleibt auf alle Fälle dankenswert, anstatt von einem Allgemein begriff ״Prophetie“ auszugehen •and zu zeigen, wie im Prisma der Persönlichkeit das Licht verschiedenfarbig gebrochen wird, umgekehrt auf inductivem Wege vom Besonderen zum Allgemeinen, von der Erscheinung zum Typus vorwärtszuschreiten und an dem Leben und Wirken einer einzelnen Persönlichkeit Geist und Wesen der Prophetie Altisraels zu demonstrieren. *) Die bekannte Frage, ob die Idee vor der;Sache (idea ante rem) oder in re ist.