Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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82 Die Anwendung der Psychoanalyse usw. weihevoll, erschütternd, erhaben, hoffnungerweckend, mahnend und aufrichtend, und hat Beziehungen zu den bedeutungsvollsten Ereignissen in der Geschichte Israels (vgl. Sachs' Ausführungen im Machsor). Bei keinem aber dieser biblischen Ereignisse kann selbst Reik einen Zusammenhang mit dem von ihm supponierten in Urzeiten geschehenen kriminellen Ereignis finden. Auch sind die besonders in den Schauforaus zitierten Stellen der Bibel in keinem Punkte bezüglich. Ueberhaupt findet Reik im gesamten Schrifttum der Propheten keine seine Totemtheorie stützende Stelle. Die einzige Stelle aus Arnos, cap. 1,2: ״Und er sprach: Der Herr brüllt von Zion, מציון ישאג, und lässt seine Stimme aus Jerusalem schallen“ beweist herzlich wenig und gewinnt auch keine grössere Beweiskraft dadurch, dass Reik sie immer aufs neue in seiner Abhandlung aufführt. Erstens ist 'שאג ein auch von Menschen viel gebrauchter Ausdruck, so Psalm 38, 9: שאגתי מנהמת לבי, so auch Ps. 74, 4, und an andere Stellen (s. Lexika). Ferner ist שאג ein Amos geradezu eigentümlicher und ihm als Schafzüchter geläufiger Ausdruck; in den neun Kapiteln des Buches Amos kommt der Ausdruck dreimal vor. Was aber Reik ganz übersehen hat, das ist die Stelle Jeremija XXV, 30: ״Weissage ihnen alle diese Worte und sprich zu ihnen: Der Herr schreiet (ישאג) aus der Höhe, aus seiner heiligen Wohnung lässt er seine Stimme erschallen u. s. w.“ Diese Stelle hat doch offenbar Aehnlichkeit mit der aus Amos zitierten, wo Reik geschmackvoll übersetzt: Der Herr ״brüllt“, also Tierstimme annimmt. Will Reik die Stelle in Jeremija auch als ״Tiergebrüll“ auffassen, so steht dem doch der Ausdruck ממעון קדשו יתן קולו entgegen, ein Ausdruck, der doch schon eine hochentwickelte Form der Gotte3verehrung voraussetzt. Auch die hohe symbolische Sühnebedeutung, die Reik dem vereinzelten Schofarton am Schluss des Versöhnungstages beimisst, ist nur ein Phantasieflug des Dichters Reik. Alle die schönen Ausschmückungen von der Bedeutsamkeit dieses Tones, von der Ungültigerklärung und Erneuerung des Urverbrechens (s. oben), das alles ist Fabel. Denn wäre wirklich