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Jeschurun · 1921-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1921) · p. Seite 31

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 31 (sequence 33)
Language
German
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DieJAnwendung der Psychoanalyse usw. 31 der einen ehernen Tatsache: Gott ist Schöpfer Himmels und der Erden, also der grösstdenkbare Fortschritt gegenüber allen heidnischen, babylonischen oder sonst auf Tieranbeterstufe stehenden wilden Völker! (vgl. Giesebrecht, Grundzüge der israelitischen Religiousgeschichte, Leipzig 1904, p. 24, 78L)1) Und nun gar erst die heidnische Deutung der heutigen Schofarzeremonie! Mit dieser naturalistischen Erklärung des Schofarritus wird Reik vermutlich selbst in monistisch-entwicklimgsfreudig gestimmten Kreisen wenig Gegenliebe finden. Selbst ein Carus Sterne, der die Bundeslade für einen von Moses elektrisch geladenen;Batteriekasten und die Feuersäule der Bibel als elektrische Ausstrahlung erklärt hat, wird durch diese rationalistische Geschichtsklitterung ia den Schatten ge־ stellt. Die unbewussten ,Vatermordvorstellungen in den Seelen der Hörer sollen die aufrüttelnde Wirkung der Sckofartöne auf die jüdische Gemeinde der Jetztzeit erklärlich machen! Warum aber in aller Welt, so fragen wir, kommt dieser Gedanke des Schuldgefühls, dieser Vatermordgedanke, im ganzen Rausch-Haschonoh- oder Jaum-Kippur-Ritual oder im Gebete nirgends mit einer Sterbenssiibe zum Ausdruck? Warum kein Wort der Anklage über diese ungeheuerliche Tat, keine Anspielung? Im הנה הקף:!, wo doch die gegebene Stelle dafür wäre, wo von der furchtbaren Wirkung des Schofars auf die Engel und die höchsten Sendboten Gottes die Rede ist und das Schreckenerregende dieses Instruments ausgemalt wird, findet sich keine noch so leise Andeutung oder Beziehung auf eine in Urzeit begangene Freveltat. Der Scbofar tritt bei allen feierliehen Anlässen als n a t i 0 n’a 1 e s Instrument hervor, er wirkt 1j Reik selbst muss in einerFussiiote zugeben, dass das Vorhandensein eines Totemkultu s um primitiven Judentum in der letzten Zeit von deutschen Bibelforschern fast durchweg geleugnet wird. Dies hindert Reik nicht an der Behauptung, dass ohne Annahme eines Totemkults das Verständnis des Alten Testaments fast unmöglich sei (p. 231). Wir glauben oben ziemlich plausibel gemacht zu haben, dass gerade die Annahme eines Totemkults das Verständnis der Bibel erschwert und dass Reiks Nachweis eines solchen auf sehr schwachen Füssen steht.

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