Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Anwendung der Psychoanalyse usw. 29 Verfassers einzufühlen, und es ist uns nicht leicht geworden, den Lesern dieser Zeitschrift ein annäherndes Bild von den verschlungenen Kombinationen des Buches zu geben. Lohnt sich die Ausbeute? Wir glauben die Frage bejahen zu dürfen. Denn hier haben wir ein Schulbeispiel dafür, zu welchen Irrwegen und fast wahnwitzigen Vorstellungen eine gewisse voraussetzungslose und ohne Hemmungen theoretisierende Wissenschaft sich versteigt, wie schonungslos sie sich am Heiligsten eines Volkes vergreift und es zum Objekt ihrer vivisektorischen Versuche macht, wie einer gewissen Schule kein Opfer des Intellekts, ja fast der Logik zu gross ist, um nur der vielgeliebten Lehrmeinung des Meisters ein neues Weihrauchopfer darbringen zu können, wie schrankenlos und orgiastiseh sich die Jünger gebärden, wenn sie des Meisters Lehren und Ideen als Allheilmittel der Kunsterklärung, Religions- und Mvthen-Deutimg zurechthobeln, zerdehnen,. zerkauen, dabei aber der ausschweifendsten Phantasterei und wichtigtuerischen Wissenschafthuberei verfallen. ״Legt ihr’s nicht aus, so legt was unter.״ Die Technik der Freudschüler, alles, aber auch alles aus einem Punkte zu kurieren, die dunklen Gebiete der Religion, Moral, Philosophie, Sitte, des Rechts usw. nur auf verdrängte Triebregungen zurückzuführen, ihre Sucht, gewisse Abirrungen des normalen Menschen durchaus auf gleiche Stufe mit den Abartungen der Psychoneurotiker zu stellen und psychoneurotische Zwangshandlungen in Parallele zu stellen mit den primitiven Zuständen der Urvölker und diese durch jene zu erklären, die qualvolle Lust der Freudjünger, den allbeherrschenden Sexualtrieb zum Angelpunkt der Seelenproblematik des Kindeslebens wie des ganzer Völker zu machen (auch die Schofar-Deutung bleibt nicht ganz verschont von diesem Punkte, s. Reik, p. 217), — all diese Gewaltmethodisierung hat schon vielfach das Befremden der psychologischen Fach- Wissenschaft hervorgerufen. Hier in der Deutung der zwei Probleme des Schofars und später des Kol-Nidre haben wir Gelegenheit zu beobachten, wie ungeheuerlich und masslos manchmal die Uebertreibungen der Freudschen Schule sind. Wir