Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Anwendung der Psychoanalyse usw. n höchst seltsamer Vers: ״Wenn das Horn (היובל) lang ertönt, darf dasVolk den Berg besteigen״ (Vers 10). Diese Bestimmung findet Reik stark auffallend, da auf das Langblasen des Widderhorns anscheinend bezuggenommen ist; aber vom Blasen des Widderhorns ist doch in dem ganzen voraufgehenden Berichte nicht die Rede gewesen! Auch ist das Volk nirgends an den Vorgängen so beteiligt gewesen, dass man es direkt auffordern muss, auf den Berg zu steigen. Das hat den Bibelkritikern schon Kopfzerbrechen gemacht, die den Vers als Interpolation aus einer älteren Tradition erklären wollen, womit allerdings nicht viel gewannen ist. Auch Baentsch (Handkonimentar zum Alten Testament, Göttingen 1903, Exodus, p. 174) muss von diesem Vers zugeben: Wer das Signal geben soll, ob Gott oder Moses oder ein anderer, das bleibt unklar. Hier beginnt die Interpretation Reiks: Es heisst: במשך ה־יובל wenn der Widder ertönt, aber nicht, wie zu erwarten: זדובל pp, welches hiesse: Das Horn des Widders, also will der Vers sagen: Der Widder selbst, der jobel, soll blasen!! (Schon bei diesem scharfsinnigen Auslegekunststück stutzt der einfältige Leser: Einerlei ob Widderhorn oder Widder selbst in dem Worte ״Jobel“ steckt, vom Widder war doch vorher auch noch nicht die Rede! Ausserdem steht gleich nachher: וקול שופר חזק פאר, der Ton des Horns war gar stark, also scheint doch im ganzen Bericht vom Horn des Widders, nicht vom Widder selbst die Rede gewesen zu sein!) Lesen wir den Bericht weiter, so überrascht uns eine weitere Merkwürdigkeit: משה ידבר והא׳ יעננו בקול, Moses spricht und Gott antwortete ihm mit der Stimme“. (Vers 19). Seltsamer Vorgang! Wie konnte Gott mit Moses Zwiesprache halten bei solchem Lärm, bei einem Posaunengetöse sollten die grundlegenden Lehren der menschlichen Gesittung und Gotteserkenntnis gegeben worden sein? So fragt Reik weiter. Kann Schofar und Gottesstimme zugleich erschollen sein?* (Auch hier vermögen wir die grosse Verwunderung des Verfassers über das unisono der zw׳ei Stimmen nicht zu teilen: entweder war es ein Wunder mehr in diesem wunderreichsten aller biblischen Berichte, dass die Gottesstimme