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Jeschurun · 1921-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1921) · p. Seite 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 20 (sequence 22)
Language
German
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20 Di5 Anwendung der Psychoanalyse usw. Die Voraussetzungen. Freud hatte in verschiedenen Abhandlungen und Büchern nachzuweisen und auch durch viele praktische Erfahrungsfälle zu erhärten versucht, dass viele krankhafte Erscheinungen im Affektenleben der Neurotiker auf eine bestimmte Ursache, auf ein bestimmtes Ereignis namentlich der Kinderjahre zurückzuführen sind, das durch Verdrängung in der Erinnerung zwar verblasst, durch gewisse neu-־ hinzutretende Affekte jedoch wieder reproduziert wird und triebartig im Unterbewusstsein alle Handlungen und Erlebnisse des Neurotikers mitbestimmt. Das verdrängte, aber im Unbe-־ wussten als Triebkraft stets mitwirkende Ereignis ist meist sexueller Natur, es sind zumeist unterdrückte sexuelle Triebe und Wallungen, die im Seelenleben hochgradig Nervöser, aber auch im Leben normaler Menschen und auch ganzer Völker rudimentär und unbewusst eine entscheidende Rolle spielen. Gewisse Ereignisse im Leben eines Volkes können in seiner physischen Entwicklung so einschneidend und tiefgreifend wirken, dass das persönliche Tun und Verhalten der einzelnen Stammesglieder und ganzer Gemeinden sich dadurch regelt und systematisch erklären lässt. Dieses art- und entwieklungsbe־־ stimmende Ereignis ist aber auch imstande, so die Ansicht von I)r. Reik, manche seltsame Phänomene des religiösen Lebens entwicklungsgeschichtlich zu deuten. Diese Deutungsversuche sollen uns hier näher beschäftigen. Freud und seine Schüler (G. Rank, E. Sachs, Th. Reik, K. Abraham u. a.) gehen von der Voraussetzung aus, die Lebensgewohnheiten des Neurotikers und physisch Kranker sei ein Abbild der prähistorischen Stufe, auf der die R e 1 i.g i 0 n der heutigen Kulturvölker in ihrem Kindesalter gestanden hat und auf der die Religion der heutigen primitiven Wilden steht. Die älteste Form der Religion (so lehrt Freud in seinem Buche: Totem und Tabu, und schon vor ihm Robert Smith, Religion of the Semites) war der Totemismus. Ursprünglich waren die Menschen eine Urhorde (ein schon von Darwin geprägter Begriff), die von einem Vater abstammte, und

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