Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Anwendung der Psychoanalyse usw. 19 Versprechens, Verschreibens u. s. w. als von unbewussten seelischen Tendenzen beherrschte Handlungen, die einer bestimmten physikalischen Gesetzmässigkeit gehorchen, die Erforschung gewisser dunkler Gebiete der Kinderpsychologie und Pädagogik u. a. m., dies alles sind Leistungen, die den Ruhm der Freudschen Methode auch in breiteste Laienkreise getragen haben. Bedenklicher und für religiös-gläubige Kreise bedeutsamer sind die Forschungen der Freudschule, wo sie sich auf das Gebiet der Religionspsychologie begibt. Seitdem Freud im Jahre 1912 sein bedeutendes Buch ״Totem und Tabu“ erscheinen liess und hier gewisse religiöse Erscheinungen im Leben der primitiven wilden Völker fremder Weltteile mit Hilfe der psychoanalytischen Ideen zu deuten versuchte, war dies für die Fretidschüler der Ausgangspunkt und Anstoss zur weiteren Erforschung schwieriger religionswis'senschaftlieber Probleme der europäischen Kulturvölker und zur psychogenetischen Analyse gewisser uns Moderne seltsam anmutenden religiösen Riten. In dieser Richtung bringt das neueste Buch von Dr. Theodor Reik, Probleme der Religionspsychologie, I. Teil: Das Ritual, (mit einer Vorrede von Prof. Dr. Sigmund Freud, Leipzig u. Wien, 1919, Internationaler Psychoanalyt. Verlag) zwei scharfsinnige nach Aufbau und fast künstlerischer Form ״gleich fesselnde Studien über zwei jüdische Probleme: Die Deutung des Schofarrituals und des Kol- Nid re. Um dieser beiden Aufsätze willen sei in dieser Zeit- Schrift dem Buche im folgenden eine kritische Besprechung gewidmet. Diese Besprechung muss etwTas ausführlicher wrerden, da sie erstens keinerlei oder nur wenig spezielle Kenntnisse der Materie bei dem Leser voraussetzt. Zweitens soll an dem Reik’schen Buche gezeigt werden, zu welchen ungeheuerlichen Behauptungen sich manche sogenannte wissenschaftliche Hypothesen versteigen, und wie deren Verfechtern nichts, aber auch garnichts vom Glauben der Menschheit heilig ist