Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Die Aufklärung. vergewaltigte Recht und den Retter und Beschützer der Leidenden und Bedrückten zeigt, mit seinem unerschütterlichen Glauben an den Gott der Gerechtigkeit zusammenhängt. Und auch das dürfte dabei nicht vergessen werden, dass sein berühmtes Ecrasez l’infäme sich gegen solche Ausschreitungen der Fanatismus richtet, wie wir sie am eigenen Leibe in Tisza-Eszlar, Xanten, Könitz und im Beilesprozess schaudernd erlebt. Die religiösen Quellen aufzudecken, aas denen unsere deutsche klassische Literatur schöpft, würde den Rahmen dieses Aufsatzes weit überschreiten. Wir wollen hier ja nicht eine detaillierte Anweisung, sondern nur eine Anregung im Allgemeinen geben. Dass das Bildungsideal der Humanität mit dem des Judentums im innersten Grande recht viel gemeinsames hat, trotz des äusserlich so völlig verschiedenen Gewandes, ist bekannt. S. R. Hirsch hat dieser Ueberzeugung in seiner schönen Rede: ״Worte, gesprochen bei der Schillerfeier 1859“ (Ges. Sch. VI S. 308—021) warmen Ausdruck verliehen. Dass dabei wohl abgewogen werden muss, ist in unseren obigen kurzen Bemerkungen über die Philosophen und Dichter dieser Zeit gezeigt. Aber selbst von Göthe, dem grossen Heiden, der sicher, mit Heine zu reden, nicht Nazarener sondern Hellene ist, vermag echt jüdisch-religiöses Empfinden auszustrahlen, wenn man es versteht, die ״Iphigenie“ oder ״Hermann und Dorothea“ in ihrem innersten Kerne dem unverbildeten Geiste nahezubringen. דד * * Wir geben uns keiner Täuschung darüber hin, dass diese Anregungen jetzt noch wenig Aussicht auf Erfüllung haben. Es fehlt in unseren Reihen and mehr noch in den Reihen des thoratreuen Ostens an den feinsinnigen Männern, die in gleicher Weise mit der Literatur der grossen Kulturvölker vertraut wie mit dem Jüdisch-Deutschen und Hebräischen, diese Wünsche verwirklichen könnten. Es fehlt in den massgebenden Kreisen an der Einsicht, das man dem bildungshangrigen Osten auf diesem Wege entgegenkommen müsse, der ebensoweit von den Bestrebungen der Haskala wie von den Versuchen sich fern hält einer Entwicklung, die sich mit Naturgewalt vollzieht, mit kleinen Palliativmitteln entgegen-