Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2292929-2293004-2293005--04710-2297991- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Die Aufklärung. 15 Judentum weniger zu tun 31s irgend ein anderes, wenn wir vom ausgesprochenen Materialismus absehen. Dass Spinoza’s Philosophie eine der herrschenden, heute vielleicht die alles beherrschende ist, dem Monismus und der irreligiösen Naturphilosophie die Waffen gegen die positiven Religionen liefert« darf doch für uns am wenigsten ein Grund sein, sie für das Judentum in Anspruch zu. nehmen. Beiremdüch genug daher, dass in der hebräisch geschriebenen Ge־ schichte der jüdischen Religionsphilosophie von Bern leid Spinoza einen so überragenden Raum einnimmt. Auch von Locke könnte man ja mit dem treffenden Worte Voltaire’s über Bayle sagen: er selbst sei gläubig, aber er mache ungläubig. Sein Sensualismus ist geeignet eine Vorstufe für den Materialismus abzugeben. Aber eben nur geeignet, er führt nicht unbedingt dazu. Und eine verständige Einleitung, die auf das Unzureichende in seinem System zur letzten Lösung der Probleme hinwiese, kann diese Gefahr bannen. Vorausgesetzt, was sich allerdings nicht wird vermeiden lassen, dass man auch ernste philosophische Kost, den Biidungsbeflissenen wird bieten müssen. Wir haber> einige Engländer genannt. Bei Voltaire und Rousseau wird uns die Wahl schon schwerer fallen, soll der religiöse Gewinn nicht durch den Schaden, den sie bei Halbgebildeten machen können, und mit denen haben wir es ja immer zü tun, aufgehoben werden. Doch ich erinnere mich, dass vor einigen Jahren eine treffliche Anthologie aus Rousseau's Werken in einem massigen Bande erschienen ist. In Anthologien steht die Aus־ wähl frei und, ohne dass man durch Auslassungen die wahre Meinung des Autors entstellte, könnte all das Viele zusammen• getragen werden, das nach unserer obigen Schilderung aus Voltaire und Rousseau für religiöse Erhebung und Vertiefung verwendbar ist. Dankbar wäre die Aufgabe in einer Einleitung zu einer solchen Anthologie aus Voltaire’s Schriften, die auch eine kurze Skizze seines Lebens enthielte, nachzuweisen, wie die bewunderswerte Seite seines zwiespältigen Charakters, die in der Aufdeekung der Justizmorde, die an den Cälas, Sirven, de la Barre und Montbaiili vollbracht oder versucht wurden, zu Tage tritt und ihn als den unerschrockenen, unermüdlichen Vorkämpfer für das