Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Aufklärung. 18 Ostjude, der mir nahe stand, der über die Schmach des jüdischen Volkes, über das גלות שכינה beim Beten vor Schmerz sich förmlich aufiöste, hat jedenfalls diesen ״Landprediger von Wakefield“ zu seiner Lieblingslektüre erkoren und mich als Kind immer darauf verwiesen. Und dann Defoe’s Robinson Crusoe, dessen erste Uebersetzang ins Deutsche sich jetzt gerade zum 200. Male jährt. Ich weiss nicht, ob je eine Uebersetzung ins Jüdisch-Deutsche oder Hebräische erschienen, von einer nennenswerten Verbreitung kann sicher nicht die Rede sein. Rousseau sagt in seinem Emil: ״Ein Buch ist es, das mein Emil zuerst lesen soll; es wird lange Zeit ganz allein seinen Bücherschatz bilden und wird jederzeit den vornehmsten Rang in ihm einnehmen. Es soll der Text seiD, von dem unsere Unterhaltung über die menschlichen Erfindungen und Wissenschäften ausgehen wird; es soll der Prüfstein sein, an dem ich die Fortschritte in der Urteilskraft meines Zöglings erproben will; und so lange sein Geschmack einfach und natürlich bleibt, weiss ich, wird seine Lectüre ihm immer neues Vergnügen bereiten. — Und was ist dies für ein wunderbares Bach? Ist es Aristoteles? Ist es Plinias? Ist es Buffon? Nein! Es ist Robinson Crusoe“. Hettner, der (Geschichte der englischen Literatur S. 301) diese Stelle aus dem ״Emil“ zitiert, um auf die grosse pädagogische Wichtigkeit des Robinson hinzuweisen, führt auch feinsinnig aus wie wir in dieser epischen Dichtung eine Art Philosophie der Geschichte haben, wir sehen, wie der Mensch aus seinem Naturzustände Schritt für Schritt zu Bildung und Civilisation kommt. Es ist ein Bild so gross und gewaltig, dass wir hier noch einmal die allmähliche Entwicklung des Menschengeschlechts klar überschauen. Und die Kunst der Darstellung ist unübertroffen: Eine einsame wüste Insel, darauf ein einsamer, armer verschlagener Mensch. Man sollte meinen, es sei kaum möglich, eine spannende Handlung, geschweige denn eine nur einigermassen befriedigende Bedeutung aus einem so dürftigen Stoffe herauszuspinnen. Und wie ist es Defoe gelungen, uns hier von Anfang bis zu Ende zu fesseln. Alles entspringt so natürlich und unmittelbar aus der jedesmaligen Lage und Gemütsstimmung des Helden, dass der denkende Mann den Robinson genau mi derselben Freude und Begeisterung liest, wie das einfältige Kind,