Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Die Aufklärung. und so den Abstand zwischen dem modernen Vermittler und dem Dichter nur allzu deutlich aufzeigen. Wie man es nicht machen darf, das zeigen die rationalistischen Bearbeitungen, die manche Dichtungen zu vermeintlich religiös-pädagogischen Zwecken in der Aufklärungszeit in Deutschland gefunden. Die Dichtung spreche für sich, und wenn die Aufmerksamkeit auf das für uns Wesentliche gelenkt und Art und Wesen des Dichters aus der Zeitgeschichte heraus durch einige treffende Bemerkungen beleuchtet wird, so wird sie trotz einzelner Stellen, die nicht in unserem Sinne sind, religiös aufbauend wirken. Nehmen wir den ״Landprediger von Wakefield״ von Goldsmith. Achad Haam hat in einem Aufsatz, in dem er Uebersetzuogen ins Hebräische charakterisiert, Spott und Entrüstung über die Wahl dieses Romans ausgeschüttet, Welche Kluft meint er zwischen dem jüdischen Empfinden und der Schilderung des Milieus in dieser englischen Dichtung, wo die Herren einmal die Damen auf den Schoss nehmen, weil nicht genügend viel Sitze da sind. (על פרשת 111 דרכים S. 11). Aber was verschlägt das gegenüber der Grundempfindung, die diese ganze Dichtung wie ein roter Faden durchzieht, dem unverlierbaren Gottvertrauen, dem בטחון in altjüdischen Sinne, wie es mit dieser Wärme in wenigen Werken der Weltliteratur uns entgegentritt. Nur dass Achad Haam kein Organ hat für diesen Zug in unserem Nationalcharakter. Rabb. Weinberg hat in seiner Charakterisierung Achad Haams (Jeschurun VII Heft 11/12 hebr. Teil) allzu scharf über den Mangel des religiösen Empfindens bei ihm geurteilt (vgl. dazu meinen Artikel Achad Haam etc. Jeschurun III, 11). Aber freilich, dass Achad Haam für die Ideen Spencers, denen er in seinen Abhandlungen so breiten Raum gewährt, mehr übrig hat als für die Lebensanschauung, die hei Goldsmith zur Geltung kommt, das bleibt wahr. Sicher, unsere Psalmen להגדיל, R. Bechai in seinen ״Herzenspflichten״ haben Grösseres gesägt. Aber will man mit einem Roman die Gemüter fesseln, so ist das Fleisch von unserem Fleisch, Blut von unserem Blute, und wer diese Dichtung in sich aafnimmt, hat mehr für seine Frömmigkeit d. b. für sein wahres nationaljüdisches Empfinden gewonnen als aus Bänden Achad Haams. Ein echter und rechter