Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Aufklärung־. 11 das jüdische Leben und den jüdischen Menschen gestaltet haben* hat sie nur Nachbeter und Nachempfinder der modernen earopäischen Bildung in Kunst und Wissenschaft hervorgebracht mit all ihrer Problematik, all ihrer Unausgeglichenheit, die den Geführten mehr verwirrt als aufklärt, sein Inneres mehr hin und her zerrt als ihn zu einer geschlossenen Persönlichkeit erzieht Unsere wahre Nationalliteratur mit ihren Klassikern und Geistern zweiten Grades hat freilich ihre Aufgabe in vollendeterer Weise erfüllt als je eine Nationaliiteratur in der Geschichte der Völker. Wo wäre ein Volk, das in so einziger Weise das Produkt seiner Literatur ist, wie eben das jüdische? Es ist ja nicht so sehr ein Volk des Buehe3 in dem Sinne, als ob es all sein Sinnen und Trachten darauf gelegt, Bücher zu schaffen; als vielmehr ein Volk, das nach seinen Büchern gelebt, sich gebildet und seine Prägung erfahren. Aber diese Nationaliiteratur reicht in ihrer ausschliessliehen Wirksamkeit nur bis an den Zeitpunkt, wo das jüdische Volk noch sein eigenes, von fremden Eindrücken unbeeinflusstes Leben geführt. Heute gilt es, diese Wirkung dort, wo sie sich in ihrer ursprünglichen Stärke nicht mehr widerstandsfähig genug zeigt, mit anderen Mitteln zu stützen. Echtjüdische Aaifassung und die Grundanschauungen jener von uns kurz skizzierten Periode auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, um so die Grundlagen der Bildung unserer Zeit, denn solche bieten in Wahrheit die besten Werke jener Schriftsteller und Dichter, für eine erhaltende Neugestaltnng der nach Bildung strebenden Brüder zu nützen. Auf einen gemeinsamen Nenner bringen? Ist das möglich!? Wir meinen, wohl ausserordentlich schwer aber nicht unmöglich. Es kommt nur darauf an, dass man von einem wurzelechtea jüdischen Standpunkt an diese Literatur herantritt und das mit Sicherheit aufzaspüren weiss, was einander in der Grundanschauang und im Grundgefühl begegnet. Bei der Ausführung im Einzelnen wird man bei der üebersetzang und Verbreitung freilich nicht auf Einleitungen verzichten können, die eben auf das Gemeinsame verweisen und den Blick des Lesers gleich von vornherein darauf einstellen. Ueberflüssig zu bemerken, dass diese Einleitungen nicht plump״banale Kritik und mittelmässige Apologetik enthalten dürfen